Die nächste Android-Variante, vorläufig "L" genannt, wird die "größte Version" in der Geschichte des mobilen Betriebssystems, verkündeten Google-Manager am Mittwoch in San Francisco. Android ist bislang vor allem auf Smartphones und Tablets populär, und für die ist Android "L" auch gedacht.

Aber Android soll allgegenwärtig sein, es wird Versionen für Autos, Smartwatches und andere sogenannte Wearables sowie für Fernseher geben.

"Das ist eine unserer umfassendsten Versionen: Sie hat über 5.000 neue APIs, mit denen wir auf Formfaktoren jenseits mobiler Geräte abzielen", sagte Android- und Chrome-Chef Sundar Pichai während der Google-I/O-Eröffnungsrede in San Francisco. Entwickler können eine Vorabversion von "L" ab Mittwoch herunterladen, die Software wird im Herbst eingeführt.

Der Auftritt war eine Kampfansage an Konzerne wie Apple und Samsung Electronics, die sich ebenfalls für neue Gerätekategorien jenseits von Computer und Handy in Position bringen. Die Unternehmen wollen die Kunden dazu bringen, möglichst viel Zeit vor verschiedenen Geräten mit ihren Betriebssystemen und Diensten zu verbringen, sei das mit Computer und Smartphone im Büro, mit Tablet, Smartphone und TV zu Hause, im Auto oder mit Wearables beim Sport. 

Google muss Android und sein ebenfalls kostenloses Notebook-Betriebssystem Chrome OS auf möglichst vielen Geräten platzieren, um so das Werbegeschäft voranzutreiben. Anwender von Android-Smartphones und -Tablets nutzen Google-Dienste wie die hochprofitable Suchmaschine oder die Kartendienste, die mit Werbung bestückt sind. Werbung macht trotz neuer Umsatzquellen wie Cloud-Diensten und Bürosoftware für Unternehmen oder dem kostenpflichtigen Musik-, Film- und App-Laden Google Play immer noch den Löwenanteil des Umsatzes von 60 Milliarden Dollar aus. 

Notschalter macht geklaute Handys unbrauchbar

Android verfügt laut Pichai mittlerweile über eine Milliarde Anwender, die ihr Gerät in den letzten 30 Tagen genutzt haben. Vor einem Jahr waren es fast 530 Millionen. Um das Betriebssystem attraktiver zu machen, hat Google "L" mit mehreren neuen Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen ausgerüstet.

So können Nutzer ihre Datenschutzpräferenzen an einem zentralen Ort einstellen. Mit einem sogenannten "kill switch", einer Art Notschalter, kann ein geklautes Android-Handy unbrauchbar gemacht werden. Den hat Google aber möglicherweise nicht ganz freiwillig eingeführt, denn in den USA könnte eine solche Funktion bald zur Pflicht werden.

Details zu Android Wear

Google hat "L" ein neues Design verpasst: die Farben sind leuchtender und verschiedene Funktionen wurden mit Spezialeffekten versehen. Wichtige Schaltflächen wie der Handy-Wählknopf scheinen über der Oberfläche zu schweben und sind mit einem Schatten unterlegt. Berührt der Nutzer den Bildschirm, läuft eine Wellenbewegung über wichtige Bereiche.

Im Laufe der fast dreistündigen Keynote gab Google außerdem weitere Details zu Android Wear preis, der im März vorgestellten Android-Version für Wearables. Nützliche Informationen wie Wettervorhersage, Flugplan, Stau, Herzrate oder SMS werden direkt auf dem kleinen Bildschirm einer Smartwatch angezeigt. Ist der Träger unterwegs, zeigt die Uhr laufend relevante ortsbezogene Informationen an. Das Gerät wird per Sprache oder mit Fingerbewegungen gesteuert.

Der Google-Manager David Singleton führte die LG G Watch vor, die an Science-Fiction-Filme aus den siebziger Jahren erinnert und seit Mittwoch in Googles Play-Laden bestellt werden kann. Samsungs Modell Gear Live ist ebenfalls dort erhältlich, Modelle von anderen Herstellern werden folgen.