Nach dem Diebstahl von Millionen zum Teil hochvertraulicher Daten der US-Personalverwaltung ist die Direktorin der Bundesbehörde zurückgetreten. Katherine Archuleta, Leiterin des Office of Personnel Management (OPM), erklärte in einem Brief, es sei für sie "das Beste", zurückzutreten und angesichts der enormen Herausforderungen einer neuen Führung Platz zu machen.

Ein Sprecher von Präsident Barack Obama bestätigte den Rücktritt und erklärte, für Obama sei "sehr klar", dass eine neue Führung benötigt werde. Der Präsident hatte Archuleta jüngst noch das Vertrauen ausgesprochen, nachdem Abgeordnete beider Parteien ihre Absetzung verlangt hatten.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Zahl der von den Cyberattacken betroffenen US-Bürger mit 22,1 Millionen noch höher liegt als bislang bekannt. Das entspricht fast sieben Prozent der Bevölkerung. Das OPM ist unter anderem für Sicherheitsüberprüfungen und die Vergabe von Zugangsberechtigungen zuständig. Den neuen Angaben zufolge sind nicht nur aktive und ehemalige Regierungsmitarbeiter betroffen, sondern auch Millionen Menschen, die sich auf eine Stelle bei der Regierung beworben haben. Jeder, der seit dem Jahr 2000 eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen habe, sei "höchstwahrscheinlich" Opfer des Datenlecks geworden, erklärte die Bundesbehörde.

Die Hacker erbeuteten beim OPM nicht nur Sozialversicherungsnummern und 1,1 Millionen Sätze Fingerabdrücke. Zu den Unterlagen gehörten auch Anträge auf die Erteilung einer Sicherheitszulassung für Mitarbeiter etwa des Militärs und des Nachrichtendienstes NSA. Dabei werden unter anderem etwaige Drogenvergehen und frühere Liebesbeziehungen erfasst, die für Erpressungen genutzt werden könnten. Derzeit hat das OPM nach eigenen Angaben aber keine Anhaltspunkte dafür, dass die Hacker die Daten missbraucht oder im Internet weiterverbreitet hätten.

China streitet Verantwortung erneut ab

Die US-Regierung war in den vergangenen Jahren wiederholt das Ziel von Cyberattacken. Das OPM hatte nach eigenen Angaben im April bemerkt, dass sich Hacker auch zu ihren Computernetzwerken Zugang verschaffen konnten. Die Cyberattacke sei bereits im Mai 2014 gestartet worden. "Die Untersuchung zu den Hintergründen ist noch nicht abgeschlossen", sagte der Koordinator für Cybersicherheit im Nationalen Sicherheitsrat, Michael Daniel. Für viele Verantwortliche in Washington führt die Spur nach Peking.

China steht im Verdacht, eine Sondereinheit seiner Volksbefreiungsarmee einzusetzen, um Handelsgeheimnisse von US-Unternehmen zu stehlen und in Regierungscomputer einzudringen. Im Mai 2014 klagte die US-Justiz erstmals Vertreter des chinesischen Staates wegen Wirtschaftsspionage im Internet an. Das Verfahren gegen fünf Offiziere der Volksbefreiungsarmee wurde in Abwesenheit der Angeklagten vor einem Bundesgericht in Pennsylvania aufgenommen. Ein Bericht des US-Kongresses aus dem Jahr 2012 bezeichnete China als den "bedrohlichsten Akteur im Cyberspace".

Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe am Freitag erneut zurück. "Es ist geboten, mit grundlosen Anschuldigungen aufzuhören", erklärte das Außenministerium in Peking. Stattdessen müssten Beratungen über einen international gültigen Verhaltenskodex im Cyberspace aufgenommen werden.