WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat auf einer Pressekonferenz in Berlin neue Veröffentlichungen seiner Plattform angekündigt. "Wir werden in den nächsten zehn Wochen in jeder Woche neue Dokumente veröffentlichen", sagte der aus der ecuadorianischen Botschaft in London zugeschaltete Aktivist anlässlich des zehnten Geburtstags von WikiLeaks. Es solle unter anderem um die Themenkomplexe Öl, Waffen und Konzerne wie Google gehen.

Auch zur US-Wahl will WikiLeaks laut Assange neue Details veröffentlichen. Den genauen Zeitpunkt ließ er offen. Man arbeite aber daran, das Material noch vor dem Wahltermin am 8. November zu publizieren.

Den Schritt will Assange nicht als Angriff gegen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verstanden wissen. "Es heißt immer, ich wolle Clinton schaden. Das ist falsch", sagte Assange. Die anstehenden Veröffentlichungen seien "von signifikanter Bedeutung für die Wahlen", sagte der Aktivist auf die Frage, ob die neuen Informationen die demokratische Präsidentschaftskandidatin "zerstören" werden.

Assange hob mit Blick auf zehnten Geburtstag von WikiLeaks hervor, dass man trotz aller Anfeindungen von "mächtigen Gegnern" weiterhin gut aufgestellt sei. "Wir haben eine starke Position, wir sind schuldenfrei und komplett unabhängig", sagte Assange, der im schwarzen T-Shirt mit dem Aufdruck "Wahrheit" auftrat. Seit seiner Gründung habe WikiLeaks zehn Millionen Dokumente veröffentlicht. "Diese Informationen wären nie Teil des kollektiven Wissens geworden." WikiLeaks wolle eine "rebellische Bibliothek" sein.

Einfluss von Russland?

Mit seiner Aussage über Clinton wehrte sich Assange gegen Vorwürfe, wonach WikiLeaks mit den Veröffentlichungen Einfluss auf den US-Wahlkampf nehmen wolle und sich dabei zu einem Instrument von externen Interessen mache. Hintergrund sind Befürchtungen der US-Geheimdienste, dass von Russland unterstützte Hacker versuchen könnten, die Abstimmung und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Ähnliche Sorgen gibt es in Deutschland

Bereits im Juli hatte das FBI Ermittlungen zu dem Hackerangriff auf das E-Mail-System der US-Demokraten eingeleitet. US-Behörden und Sicherheitsexperten machen Angreifer aus Russland für den Angriff verantwortlich. WikiLeaks hatte 20.000 E-Mails veröffentlicht, die unter anderem zeigten, dass die Parteiführung im innerparteilichen Wahlkampf unerlaubt Hillary Clinton unterstützte. Daraufhin musste mehrere Spitzenpolitiker der Partei zurücktreten.

Gegen Assange wurde 2010 ein europäischer Haftbefehl erlassen, nachdem ihn eine Schwedin wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Assange weist die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück. Es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Weitere Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Australier waren zuletzt verjährt.

Assange lebt seit mehr als vier Jahren in der Botschaft, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Vor allem aber befürchtet der Australier nach eigenen Angaben, von dort aus in die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm eine Verurteilung für die Enthüllungen von WikiLeaks droht. Die unabhängige UN-Arbeitsgruppe zum Thema willkürliche Inhaftierungen (WGAD) in Genf hatte die jahrelange Botschaftszuflucht Assanges Anfang Februar als unrechtmäßige Haft eingestuft. Sie forderte, der Australier müsse die Botschaft umgehend ungehindert verlassen dürfen. Er habe außerdem ein Recht auf Entschädigungen durch Großbritannien und Schweden.