Es klang nach einem Kampf à la David gegen Goliath: Ein syrischer Flüchtling kämpfte vor Gericht gegen den Internetgiganten Facebook. Wegen eines Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.  Es war für falsche Anschuldigungen und Hasskommentare im Netz missbraucht worden. Doch der Syrer verlor. In Berufung will er nicht gehen, sondern sich auf seine Deutschprüfungen konzentrieren, wie sein Anwalt Chan-Jo Jun mitteilte. Außerdem sei der Prozess gefährlich für seine Familien in Syrien und in Deutschland.

Anas Modamani war vor das Landgericht Würzburg gezogen, um Facebook gerichtlich dazu zu bringen, die existierenden Verleumdungen in seinem Netzwerk zu löschen und darauf basierende neue Inhalte erst gar nicht zu veröffentlichen. Die Richter gelangten jedoch Anfang März zu der Auffassung, dass Facebook sich die Verleumdungen von Dritten nicht zu Eigen gemacht hat und deshalb nicht zu einer Unterlassung gezwungen werden kann. Der Syrer hätte nun Berufung am Oberlandesgericht Bamberg einlegen können.

Modamani nannte für seinen Rückzug zudem finanzielle Gründe. Zwar verzichteten seine eigenen Anwälte auf eine Bezahlung, das Landgericht erlegte dem Flüchtling aber die Prozesskosten von Facebook auf. Diese dürften Jun zufolge bei etwa 1.700 bis 2.000 Euro liegen. "Obwohl mir einige Menschen Spenden geschickt haben, werde ich noch viele Monate arbeiten müssen, bis ich das Geld zusammen habe", hieß es in der Mitteilung des 19-Jährigen. Seinem Anwalt zufolge wurden bislang etwa 350 Euro gespendet.

Am Montag erklärte Facebook, dass  Modamani auch die Kosten des Konzerns nicht tragen müsse. "Facebook hat niemals im Sinn gehabt, Herrn M. Kosten aufzuerlegen, und wird dies selbstverständlich auch nicht tun", teilte ein Facebooksprecher mit.

Modamani hatte im September 2015 ein Selfie mit Kanzlerin Merkel gemacht, was wiederum auf einem Foto festgehalten ist. Dieses Bild wurde später für Fotomontagen genutzt, in denen er mit Anschlägen und Verbrechen in Verbindung gebracht wurde, die auf Facebook verbreitet wurden.