Das Berliner Start-up Amorelie, ein Anbieter von Sexspielzeug, hatte eine riesige Kunstinstallation geplant, bei der hunderte Dildos von der Decke hängen sollten. Der Plan scheiterte an den Materialkosten. Eigentlich wollte Amorelie fehlerhafte Produkte benutzen, die wurden aber leider – firmeninternes Kommunikationsproblem – im Müll entsorgt. Nun wird das Unternehmen zumindest seinen 3-D-Drucker vorführen, mit dem Gussvorlagen für Liebeskugeln erstellt werden. Außerdem gibt es das zweiteilige Set des Herstellers Teledildonic zu bestaunen. Es besteht aus einem Vibrator und einem Masturbator. Die Teile sind für Fernbeziehungen gedacht. Bewegungen, die der Sensor des einen Geräts aufzeichnet, werden in Echtzeit auf das andere übertragen.

Als Feindbild der re:publica-Gänger gilt die Cebit in Hannover. Sie verkörpert alles, was die Berliner Konferenz nicht sein soll: seelenlose Massenveranstaltung, Schaufenster für Konsumgüter, rein profitorientiert. Umso überraschter waren die re:publica-Macher, als vor fünf Wochen auf der diesjährigen Cebit verkündet wurde, man wolle sich neu aufstellen. Weg vom traditionellen Messekonzept, hin zu einem "New-Tech-Festival" mit Diskussionsforen und Vorträgen zu gesellschaftlich relevanten Digitalthemen. Im re:publica-Hauptquartier in der Schönhauser Allee klang das wie eine versteckte Kampfansage, das Berliner Konzept zu kopieren. Andreas Gebhard versucht, seine Mitarbeiter zu beruhigen. Die von der Cebit stehen doch ganz am Anfang, sagt er. "Und na ja, es ist eben Hannover."

Die re:publica gründet unterdessen Satelliten. Vergangenen Herbst haben die Macher eine Konferenz in Dublin organisiert, wo Facebook seine Europa-Filiale hat. Dieses Jahr kehren sie nach Dublin zurück und halten außerdem eine re:publica in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki ab. Andreas Gebhard sagt, es sei auch ein Zeichen der Solidarität mit den Griechen. Und es werde interessant, herauszufinden, ob ein so krisengeschütteltes Land ganz andere Bedürfnisse und Ansprüche an digitale Veränderung hat.

Die Digitalexperten im Marzahner Exil

Ein kleiner Teilbereich der re:publica hat schon vergangene Woche begonnen. 17 Kilometer Luftlinie von der Kreuzberger Station entfernt, auf dem Gelände der Internationalen Gartenausstellung in Marzahn, laden die Konferenzmacher zu einem Vortragsabend. Sie nennen es "Digitalisierung im Grünen", insgesamt fünfmal sollen hier Projekte vorgestellt werden, die beweisen, dass die digitale Revolution kein rein städtisches Phänomen ist. Heute berichtet Anne-Kathrin Kuhlemann über ihr Lichtenberger Projekt TopFarmers: Mit viel Technikeinsatz züchtet sie in einer Halle gleichzeitig Pflanzen und Fische, wobei die Exkremente der Tiere den Pflanzen als Dünger dienen. Die wiederum reinigen das Wasser der Fische. Ein geschlossener Nährstoffkreislauf. Danach präsentiert ein anderer Tüftler sein Projekt "IP-Garten": Auf dem IGA-Gelände hat er am Hang neben der Seilbahn ein Beet aufgebaut. Das steht stellvertretend für viele weitere, die er mit Kollegen auf einem Grundstück in Brandenburg, eine halbe Autostunde südlich von Berlin, angelegt hat. Es sind insgesamt 50 Parzellen mit je 16 Quadratmetern Fläche, die an Berliner ohne eigenen Garten vermietet werden. Im Internet können die Kunden ihr Beet bestellen. Auswählen, welcher Abschnitt mit welchem Gemüse bepflanzt wird. Über eine bewegliche Kamera, die an einem Mast fixiert ist, können sie das Wachstum der Pflanzen überwachen. Per Tastendruck die Bewässerungsanlage in Gang setzen. Und entscheiden, wann geerntet wird. Das Testjahr 2016 verlief positiv, sagt der Gründer. In drei Jahren sollen es schon 500 Parzellen sein.

Wenn die Chefplaner der re:publica belegen wollen, dass heute eigentlich alles digital ist und somit als Thema auf ihrer Konferenz verhandelt werden kann, bringen sie das Beispiel vom Workshop aus dem Jahr 2014. Damals hat ein Netzaktivist gezeigt, wie man eine Schweinehälfte zerlegt, und erklärt, wie Zulieferer-, Schlachtungs- und Verarbeitungsprozesse digital vernetzt sind. Der Mann hat Fleischbrocken mitgebracht. Es war drastisch, sagt Andreas Gebhard. Aber insgesamt sehr einleuchtend.