Twitter hat Tausende Accounts gesperrt, um zu prüfen, ob diese von Social Bots gesteuert werden. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf das Unternehmen. Die genaue Zahl der gesperrten Konten gab der Dienst nicht bekannt, bestätigte aber, dass derzeit vermehrt "verdächtige Account-Aktivitäten" geprüft würden. Dazu gehöre auch das automatisierte Veröffentlichen von Tweets durch Social Bots. In diesem Zusammenhang seien mehrere Nutzerkonten gesperrt und die Kontoinhaber aufgefordert worden, ihre Telefonnummern anzugeben.

"Diese Änderungen sind ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass wir böswilligen Aktivitäten, die auf die wichtigen Twitter-Gespräche – einschließlich der Wahlen in den USA und auf der ganzen Welt – abzielen, einen Schritt voraus sind", teilte Twitter-Manager Yoel Roth mit.

Twitter stand zuletzt im Zuge der Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller zur russischen Einmischung in die US-Präsidentenwahl in der Kritik wegen schwacher Vorkehrungen gegen Manipulationen – genauso wie Facebook. Nachdem nun Tausende Accounts überprüft werden, fühlen sich Anhänger von US-Präsident Donald Trump offenbar besonders von der Maßnahme gegängelt. Viele beschwerten sich, weil ihre Follower-Zahl gesunken sei. Unter dem Hashtag #TwitterLockOut machten sie ihrer Verärgerung Luft.

Die Washington Post zitierte außerdem einen bekannten rechten Blogger und Verschwörungstheoretiker, der auf seiner Website schrieb: "Trump-Leute und Konservative haben generell das Gefühl, dass in den sozialen Medien mit zweierlei Maß gemessen wird und fühlen sich durch diese Aktion bestätigt."

Twitter geht bei der Überprüfung der Accounts wie folgt vor: "Wenn ein Konto gesperrt wird und der Nutzer aufgefordert wird, eine Telefonnummer anzugeben, wird das Konto aus den Follower-Zählungen entfernt, bis eine Telefonnummer angegeben wird", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Dies sei Teil der "fortlaufenden, umfassenden Bemühungen, Twitter für alle sicherer und gesünder zu machen".

In einem radikalen Schritt im Kampf gegen Spam untersagt es Twitter zudem, den gleichen Beitrag von mehreren Accounts gleichzeitig zu posten. Selbst die technische Möglichkeit dazu soll aus Apps verschwinden.

Mit gefälschten Accounts hohe Follower-Zahlen vortäuschen

Das Unternehmen steht schon länger in der Kritik, nicht streng genug gegen Missbrauch vorzugehen. So erlaubte Twitter anonyme Nutzerkonten und den Einsatz sogenannter Bots, die automatisch Botschaften absetzen. Das Senden identischer Nachrichten über mehrere Accounts oder das gleichzeitige Retweeten oder Liken von mehreren Accounts kann Themen zu einem Eintrag in die Twitter-Trendliste verhelfen und einen falschen Eindruck davon vermitteln, wie weit verbreitet sie tatsächlich sind.

Twitter gibt betroffenen Nutzern bis zum 23. März Zeit, bevor es Accounts sperren will. Eine Ausnahme wurde für Bots von großem Interesse wie für Erdbebenwarnungen gemacht. Twitter will zudem gegen weitere Verstöße gegen seine Nutzungsbedingungen vorgehen, etwa gegen gefälschte Accounts, mit denen Nutzer eine hohe Follower-Zahl vortäuschen.