Der Sicherheitschef von Facebook ist offenbar auf einen anderen Posten versetzt worden. Alex Stamos habe sich seit Längerem dafür eingesetzt, transparenter mit den Vorwürfen umzugehen, wonach Russland Facebook zur Stimmungsmache im US-Wahlkampf benutzt habe, berichtete die New York Times. Andere Verantwortliche bei Facebook wie Geschäftsführerin Sheryl Sandberg seien explizit anderer Meinung gewesen.

Stamos werde Facebook im August verlassen, schrieb die Zeitung. Er habe schon früher gehen wollen, die Firma habe ihn aber gebeten zu bleiben, weil dies in der aktuellen Situation keinen guten Eindruck machen würde.

Stamos dementierte den Bericht teilweise. "Allen Gerüchten zum Trotz bin ich immer noch voll engagiert bei meiner Arbeit für Facebook", twitterte er. Seine "Rolle" habe sich allerdings geändert: Er verbringe mehr Zeit damit, künftige Sicherheitsrisiken zu prüfen.

"Um das klar zu stellen", twitterte Stamos weiter: "Das Securityteam wurde nie von irgendwelchen Verantwortlichen davon abgehalten oder entmutigt, russische Aktivitäten zu überprüfen."

Die New York Times berichtet, dass das Sicherheitsteam von Facebook seit Monaten mit der Rechts- und Kommunikationsabteilung streitet. Während das Sicherheitsteam dafür war, Funde zu möglicher russischer Beeinflussung auf Facebook öffentlich zu machen, hätte die Rechts- und Kommunikationsabteilung darauf verwiesen, dass geschäftliche Interessen beachtet werden müssten. Es sei nicht einzusehen, dass Facebook alle Aufmerksamkeit auf sich lenke, während der Konkurrent Twitter über mögliche Funde russischer Beeinflussung schweige.

Daten ohne Zustimmung verwandt

Am Wochenende wurden in den USA und im Ausland weitere massive Vorwürfe gegen Facebook bekannt. Demnach soll das Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump die britische Firma Cambridge Analytica beauftragt haben, im Jahr 2016 die Profildaten von 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Einverständnis zu sammeln. Ziel sei es gewesen, einen Algorithmus für die Kampagne zu programmieren, um Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen.

Um die Daten zu sammeln, sei eine Umfrage zu Persönlichkeits-Merkmalen aufgesetzt worden, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Dazu hatten die betroffenen Nutzer ab Juni 2014 die scheinbar harmlose App thisisyourdigitallife heruntergeladen und ihr Zugriffsrechte auf das eigene Facebook-Konto eingeräumt. Facebook hatte dies dem Entwickler der App, dem Cambridge-Wissenschaftler Aleksandr Kogan, erlaubt. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Geschäftsführer wirbt mit Erpressungen

Cambridge Analytica hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die EU-Kommission verlangt von Facebook eine Klarstellung; auch ein Ausschuss des britischen Parlaments fordert Aufklärung. Facebook kündigte an, es habe Spezialisten damit beauftragt, zu untersuchen, ob Daten unrechtmäßig genutzt wurden.

Der britische Sender Channel 4 zeigte am Montag einen Bericht, in dem sich der Geschäftsführer von Cambridge Analytica damit brüstet, die Firma könne Politiker mit ukrainischen Prostituierten in kompromittierende Situationen bringen – und dann Beweismaterial online verbreiten. Sie seien schon für mehr als 200 Wahlkämpfe in der ganzen Welt angeheuert worden, etwa in Argentinien, Tschechien, Indien, Kenia oder Nigeria. Das Unternehmen wies diesen Bericht als falsch zurück.