Die iranische Regierung will bis Mitte April den Messenger Telegram sperren. Dies berichtet die iranische Nachrichtenagentur Mehr unter Berufung auf Alaeddin Borudscherdi, Vorsitzender des Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik. "Es wurde auf höchster politischer Ebene entschieden", sagte Borudscherdi. Die App solle durch den lokalen, weitaus unbeliebteren Dienst Sorusch ersetzt werden. Das Thema sei "aus Sicht der nationalen Sicherheit" für das Land enorm wichtig, da Telegram bei den jüngsten politischen Krisen "eine destruktive Rolle" gespielt habe.

Während der regimekritischen Proteste zum Jahreswechsel hatten Demonstrantinnen und Demonstranten über Telegram Videos und Bilder der Proteste im In- und Ausland verbreitet. Im Januar blockierte die Regierung die App vorübergehend. Der Klerus und die Hardliner forderten eine dauerhafte Blockierung sowie die Einführung eines staatlich kontrollierten Internets.

Die Regierung von Präsident Hassan Ruhani lehnte diese Maßnahmen zunächst ab. Ruhani sagte, es könne ja auch kein Buch verboten werden, nur weil einigen der Inhalt nicht gefalle. Kurzfristig konnte der Präsident sich damit gegen die Hardliner durchsetzen.

Ob Telegram nach einer Sperrung tatsächlich nicht mehr benutzt würde, ist fraglich. Über sogenannte VPN-Verbindungen können Telegram-Nutzer die Sperre technisch umgehen und weiterhin auf die App zugreifen. Dies geschieht nach Angaben von IT-Experten seit Jahren mit anderen verbotenen Apps wie Twitter oder Facebook. Im Iran ist Telegram mit mehr als 40 Millionen Nutzerinnen und Nutzern die beliebteste Messaging-App und dient auch zur Abwicklung von Geschäften. Ärzte können ihren Patienten sogar Laborergebnisse via Telegram schicken. Sorusch, das nach Angaben von Borudscherdi Telegram ersetzen soll, hat Schätzungen zufolge nur drei Millionen Benutzer.