Die britische Analysefirma Cambridge Analytica, also die Firma im Mittelpunkt des Datenskandals um Facebook, stellt ihren Betrieb ein. Auch die britische Dachgesellschaft SCL Group melde Insolvenz an, teilte die Firma mit. Man werde unverzüglich alle Tätigkeiten beenden. Es habe sich gezeigt, dass das Geschäftsmodell nicht länger rentabel sei.

Weiter heißt es in der Erklärung, Cambridge Analytica sei in den vergangenen Monaten Opfer von "zahlreichen haltlosen Anschuldigungen" gewesen. Man sei für Praktiken diffamiert worden, die nicht nur legal, sondern weithin als Standards in der Onlinewerbung in politischen und kommerziellen Bereichen akzeptiert seien. Die "unfaire Medienberichterstattung" über Cambridge Analytica habe nahezu alle Kunden vertrieben, die Firma befinde sich in einer prekären finanziellen Situation. Das Unternehmen verwies auf eine unabhängige Untersuchung, die zeigen solle, dass die Anschuldigungen nicht auf Fakten beruhten.

Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf "informierte Personen", Auslöser für die Betriebseinstellung sei, dass das Unternehmen Kunden verloren habe und zugleich die Anwaltskosten im Zuge der Ermittlungen zum Datenskandal in die Höhe gingen.

Cambridge Analytica stand im Zentrum des Facebook-Datenskandals. Die Firma hatte sich vor mehr als vier Jahren Zugang zu Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern verschafft, ohne Facebook darüber zu informieren. Ein App-Entwickler hatte Cambridge Analytica Informationen von Teilnehmern einer Umfrage sowie ihrer Facebook-Freunde verkauft. Die Daten sollen später unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein. Das bestreitet Cambridge Analytica allerdings.

Im März wurde der langjährige Chef der Firma, Alexander Nix, suspendiert; im April gab der kommissarisch amtierende Chef, Alexander Tayler, seinen Posten auf.

Wegen des Skandals sagte Facebook-CEO Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress aus. Facebook versprach, die Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer besser zu schützen. Am vergangenen Dienstag kündigte das soziale Netzwerk an, Usern eine einfachere Möglichkeit zu geben, einige gesammelte Informationen wie die Liste besuchter Websites oder angeklickter Links zu löschen.

Datenmissbrauch - Wie man seine Daten auf Facebook besser schützen kann Die IT-Firma Cambridge Analytica steht im Mittelpunkt eines neuen Facebook-Skandals. Unser Video gibt drei Tipps, wie man seine Daten in dem sozialen Netzwerk besser schützen kann. © Foto: Claudia Bracholdt