Was der InspiroBot von uns Menschen hält, hängt offenbar von seiner Tagesform ab. Am 17. April etwa erschien auf dem Instagram-Account des vollautomatisierten Sinnsprüchegenerators die Botschaft "Humankind is okay", die Menschheit ist in Ordnung, auf ein träumerisches Bildchen von einem Waldweg geschrieben. Einige Wochen zuvor hingegen, am 22. März, lautete die maschinell erstellte Tageslosung "Humans are horrible": Menschen sind furchtbar. Das Foto dazu zeigte die Rückansicht einer Surferin im Bikini. Eine klassische Text-Bild-Schere hatte die Maschine da produziert, durchaus boshaft, bestenfalls skurril, aber im Grunde harmlos.

Andere Bots, also Computerprogramme, die ohne Zutun von Menschen tagtäglich Abertausende Beiträge insbesondere auf Twitter und Facebook posten, sind alles andere als harmlos. Sie dienen zum Beispiel der Verbreitung von Fake News oder sollen gezielt die Wirkung bestimmter politischer Botschaften verstärken. Während des US-Wahlkampfs 2016 etwa verschickten russische Bots 469.000 Retweets von Donald Trumps offiziellem Account auf Twitter. Momentan hat der US-Präsident dort 52,5 Millionen Follower, mehr als ein Viertel davon aber sind nicht aus Fleisch und Blut, sondern Algorithmen. Sie sind potentiell zugleich ein robotisch klatschendes Scheinpublikum, maschinelle Weitererzähler und automatisierte Fabulierer. Und die meisten von ihnen lassen sich nicht ohne weiteres als Bots erkennen.

"Diese Bots können den Nachrichten, die sie verbreiten, eine falsche Glaubwürdigkeit verleihen, indem sie koordinierte Fake-Nachrichten in die Welt setzen", sagt der US-Politiker Robert Hertzberg, der für die Demokraten im State Senate von Kalifornien sitzt, also in einer der beiden Kammern des dortigen Landesparlaments. Man müsse als Mensch wissen, ob man im Netz mit anderen Menschen debattiere oder mit Maschinen, die sich als solche nicht zu erkennen geben, sagt Hertzberg.

Zustände wie im Wilden Westen

Er hat deshalb den Gesetzentwurf mit dem Kürzel SB 1001 im Senat von Kalifornien eingebracht, der künftig das Programmieren von Bots untersagen soll, die sich als natürliche Person ausgeben und somit Menschen gezielt über ihre künstliche Existenz hinwegtäuschen. Auf Hinweis von Nutzerinnen und Nutzern müssten Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter binnen 72 Stunden etwa mutmaßliche Bot-Profile überprüfen und als solche kennzeichnen. 

Ende Mai hat der kalifornische Senat dem Entwurf mit der Stimmenmehrheit der Demokraten zugestimmt. Sollte ihm die andere Kammer des Parlaments, in dem die Demokraten ebenfalls die Mehrheit haben, auch zustimmen und der Gouverneur kein Veto einlegen, könnte das Gesetz bereits Ende August in Kraft treten. "Wir können diese Bots nicht loswerden", sagt Hertzberg, "und darauf zielen wir auch gar nicht ab. Aber wir haben hier Zustände wie im Wilden Westen, und niemand kennt die Regeln."

Obwohl die Regelungen lediglich für diesen einen US-Bundesstaat gelten würden, könnte SB 1001 weltweit Signalwirkung haben – schließlich geht es um Kalifornien, die Heimat der Tech-Industrie. Das Gesetz beträfe dort ansässige Unternehmen wie Facebook, Twitter, Google, Apple und Microsoft unmittelbar.