"Kann man sich da nicht hinsetzen oder irgendwas damit machen?", frage ich. "Ich probier's mal … nö, ach, dann zerhacken wir den Stuhl auch noch." Knall, Peng, Krach.

In der Wüste gibt es seit dem Update Season 5 vor einigen Tagen eine kleine Rennstrecke wie aus dem berühmten Spiel Mario Kart. Man kann sich irgendwo ein Golfwägelchen suchen und dann Rennen fahren. Wer das tut, ignoriert den Kampf der anderen eben. Bis der Sturm kommt.

"Geh nach Tilted Towers. Oder Pleasant Park?"

Die Zeit wird knapper, die Sticheleien auf dem Sofa werden härter. Will man etwa, dass der andere draufgeht? "Schon irgendwie. Weil man selbst drankommen will."

Einer der drei Jungs ist besonders erfahren. Er hat schon oft gespielt, auch die anderen Modi – man kann das Spiel auch so einstellen, dass jeder gegen jeden spielt oder Zweier- beziehungsweise Viererteams gegen den Rest der Welt. Was also war das beste Erlebnis überhaupt? "Das Witzigste war, als ich einmal mit Freunden gespielt hab, also die waren auch online und standen im Spiel neben mir, und mir war langweilig. Da hab ich gesagt, Leute, ich mach jetzt Sniper, ohne zu zielen, three-sixty. Und dann hab ich meinen Kumpel voll erwischt."

Gesegnet, wer das nun versteht. Nach einigen Nachfragen wird klar: Der Junge hat seine Spielfigur einmal im Kreis gedreht, dabei wahllos geschossen und zufällig einen der Umstehenden getroffen, was eigentlich unwahrscheinlich ist. Alle fanden das lustig.

So eine Insel hat enge Grenzen

Nach zwei Stunden Fortnite ist die Luft raus, das Zuschauen ist nicht mehr spannend. Wir durchforsten ein Areal der Insel, das deutsche Gamer "Spandau" nennen, weil der Berliner Stadtteil genauso langweilig und abgelegen ist. Es gibt eine Disco, die Lichtanlage schimmert, am DJ-Pult liegt eine Schatzkiste, darin ein großer Schildtrank. "Käpt'n Blaubär nennt man die, weil sie groß und blau sind!" Die Jugend liebt, wie in früheren Jahrzehnten auch, etwas durch und durch Harmloses. Mein Sohn sagt plötzlich: "Fortnite hat zwar keinen schönen Sinn, aber es macht halt Spaß."

Wir fahren noch ein bisschen mit einem Einkaufswagen durch die Nacht auf dem Bildschirm, springen immer wieder rauf und lassen uns rollen. Gegner sind keine in der Nähe. Die jungen Herren sitzen nun etwas schiefer im Sofa als am Anfang, einem fällt plötzlich ein, dass er Durst hat. Als ich frage, ob wir später Fußball spielen, draußen, mit einem echten Ball, höre ich sofort zustimmendes Brummen. Wir hängen hier inzwischen, auch im Spiel, nur noch rum. Schon wieder kommt der Sturm näher. So eine Insel hat, ganz wie im richtigen Leben, auch in Fortnite nur begrenzten Unterhaltungswert. Ich frage, ob man denn nicht mal langsam wieder jemanden killen müsse.

"Man muss gar nichts", tönt sehr erwachsen einer der Sofanachbarn.