Facebook hat zwei Geräte vorgestellt, mit denen das US-Unternehmen persönliche Kontakte von Mitgliedern per Videotelefonie und virtueller Realität erleichtern will. "Facebook hatte recht großen Erfolg damit, Leute über das Internet und Smartphones in großer Breite zu verbinden", sagte der Vizepräsident für Virtuelle und Erweiterte Realität bei Facebook, Andrew Bosworth. Aber es gebe auch ein großes Interesse daran, eine tiefere Verbundenheit herzustellen.

Das erkenne man an der starken Nutzung von Videotelefonie über den Facebook Messenger und WhatsApp. Weil man das nicht mit der heutigen Technik verbessern könne, habe sich das Unternehmen entschlossen, eigene Hardware zu bauen. Die am Montag vorgestellten neuen Videotelefonie-Geräte namens Portal und Portal+ sollen zunächst nur auf dem US-Markt erscheinen. Es handelt sich um eine Kombination aus Bildschirm, Webcam und smartem Lautsprecher, mit der Personen im Blickfeld der Kamera verfolgt werden und bei denen eigenständig auf die Gesichter der Nutzerinnen und Nutzer gezoomt wird.

Facebook werde persönliche Treffen niemals ersetzen, sagte Bosworth. Aber schon einen Teil der persönlichen Interaktion ins Virtuelle umzusetzen, sei sehr wertvoll – etwa, indem Kosten und Zeitaufwand für Reisen und Pendeln entfielen. So wolle Facebook auch VR-Geräte wie die vor Kurzem angekündigte Brille Oculus Quest nutzen, um räumlich voneinander getrennte Menschen besser zu verbinden. Zwar gebe es da noch Probleme mit der Ausdrucksfähigkeit, beispielsweise mit Mimik und Aussehen. "Aber man bekommt deutlich mehr Interaktivität", sagte Bosworth. Zudem forsche man bei der Mimik an Sensoren, die auf das Gesicht gerichtet sind. Außerdem lasse sich auch die Stimmlage in eine gewisse Mimik umsetzen.

Technik für virtuelle Konferenzräume

Als möglichen Einsatzort der neuen Geräte nannte der Manager virtuelle Konferenzräume: "Bei Facebook bekommt man nie einen Konferenzraum. Und wenn, ist er viel zu groß oder viel zu klein. Man setzt ein paar Notizen auf das Whiteboard. Dann kommt jemand anders in den Raum, deswegen machst du ein Foto von den Notizen, das du nie wieder anschaust."

Virtuelle Konferenzräume könnten an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden und sich nur durch eigenen Einfluss verändern. "Das ist dann tatsächlich besser als die echte Welt, zumindest ein bisschen", sagt Bosworth. "Nur bei den Interaktionen ist es noch nicht besser." Die Avatare sähen anders aus und hörten sich anders an. Auch die Umsetzung von Mimik sei noch ein Problem.

Solche Lösungen werden bereits entwickelt, etwa vom Telekommunikationsunternehmer Cisco. Das Programm Spark VR befindet sich derzeit noch in der Betaversion. Microsoft will ebenfalls bei sozialen Netzwerken mit virtueller Realität einsteigen: Im vergangenen Jahr kaufte der Konzern AltspaceVR. Darin können sich Besitzer unterschiedlicher VR-Brillen treffen und miteinander interagieren.

Doch bislang ist den Softwareanwendungen für VR noch nicht der große Durchbruch gelungen, die Verkaufszahlen von VR-Geräten bleiben hinter den Erwartungen zurück. Als erster Markt wurden vor allem Videospieler gesehen, für die etwa die kabelgebundenen Produkte Oculus Rift, HTC Vive und Playstation VR entwickelt wurden. Doch Berechnungen der Marktforscher von IDC zufolge gab es bei VR-Headsets im zweiten Quartal 2018 im Jahresvergleich einen Absatzrückgang von gut 33 Prozent. Vor allem der Absatz der Brillen, für die man zusätzlich ein Smartphone benötigt, ging um mehr als die Hälfte zurück. Die IDC-Forscher sprachen jedoch nur von einem temporären Einbruch.