Nach einem Datenleck bei Google+ schließt der Internetkonzern Alphabet das soziale Netzwerk für private Nutzer. Durch eine Softwarepanne hätten App-Entwickler auf den Namen, die E-Mail-Adresse sowie Beschäftigung, Geschlecht und Alter von Nutzern zugreifen können, teilte Google mit. Der Fehler sei im März 2018 entdeckt und umgehend behoben worden.

Google teilte in einem Blogeintrag mit, der Konzern habe keine Hinweise darüber gefunden, dass App-Entwickler von der Lücke gewusst oder Daten missbraucht hätten. Für die Schließung des sozialen Netzwerks plant Google eine Übergangszeit von zehn Monaten. Bis August 2019 sollen Nutzer Zeit haben, ihre persönlichen Daten zu sichern.

Für die interne Kommunikation in Unternehmen will Google sie weiter betreiben. Außerdem werden auch die Möglichkeiten von App-Entwicklern eingeschränkt, auf Nutzerdaten auf Smartphones mit dem Googlesystem Android zuzugreifen.

Das Wall Street Journal hatte kurz zuvor unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, dass die Lücke bereits seit 2015 bestanden habe. Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, habe aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, heiße es in diesen. Der Konzern habe sich im März dagegen entschieden, die Öffentlichkeit gleich über die Entdeckung zu informieren.

Potentiell 500.000 Konten betroffen

Google selbst machte keine Angaben dazu, wie lange die Lücke bestand. Potenziell könnten Profile von bis zu 500.000 Konten betroffen sein. Der Konzern könne aber keine genaueren Angaben machen, weil Nutzungslogs nur zwei Wochen lang gespeichert würden. Mehr als 400 Apps könnten auf die Schnittstelle mit der Datenlücke zugegriffen haben, hieß es.

Das Netzwerk wird nach Angaben von Google derzeit kaum noch von Verbrauchern genutzt. Mit der Einstellung gesteht Google auch offiziell die klare Niederlage im Wettbewerb der Onlinenetzwerke mit Facebook ein.

Größere Auswirkungen für private Nutzer dürften die Änderungen beim mobilen Betriebssystem Android haben, das auf Geräten von Hunderten Millionen Menschen läuft. Die Nutzer würden präziser bestimmen können, welche Daten sie mit einer App teilen wollen, kündigte Google an. Grundsätzlich würden weniger Apps Zugriff auf Anruflisten und SMS-Daten bekommen. Außerdem werde auch der Zugriff von App-Entwicklern auf die E-Mails in Googles Gmail-Dienst stärker eingeschränkt.

Schnittstellen für App-Entwickler hatten auch eine zentrale Rolle im Facebook-Datenskandal um Cambridge Analytica gespielt. Das Onlinenetzwerk erlaubte es App-Entwicklern bis 2015, auch auf Daten von Freunden eines Nutzers zuzugreifen. Der Entwickler einer Umfrage-App sammelte nicht nur die Daten von Teilnehmern einer Erhebung sondern auch die ihrer Freunde – und reichte sie anschließend unberechtigterweise an die Datenanalysefirma Cambridge Analytica weiter. Facebook erfuhr zwar bereits 2016 davon, gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass alle Daten gelöscht seien und informierte die Betroffenen nicht.