Etwas auf Google suchen – Menschen in China können das, wenn überhaupt, nur über illegale Umwege. Wie viele andere Seiten ist die Suchmaschine dort offiziell gesperrt. Aus Protest dagegen und weil das Geschäftsmodell unter der Zensur des Staates nicht aufging, hatte sich der Internetkonzern 2010 aus dem Land zurückgezogen. Zuletzt aber war immer wieder zu lesen, der Konzern plane eine eigene Version seiner Suchmaschine für den chinesischen Markt – abgestimmt mit Chinas Regierung. Also: mit Zensurfunktion.

Das hat Google-Chef Sundar Pichai jetzt in einer Anhörung vor dem US-Kongress in Washington dementiert. Er bestritt allerdings nicht, dass seine Firma intern solche Überlegungen anstellte. Und Pichai bezeichnete den Zugang zu Informationen als ein Menschenrecht – was mit der Zeit auch als ein Argument für ein Angebot in China dienen könnte.

Seine Firma habe derzeit aber keine Pläne für den Start einer Suchmaschine in China, sagte Pichai, während er sich dreieinhalb Stunden lang den Fragen von Senatorinnen und Senatoren stellte. Zu ähnlichen Anhörungen, in denen es unter anderem um Datensicherheit, den Cambridge-Analytica-Skandal und den generellen Umgang mit Hackerangriffen ging, hatten Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Twitter-CEO Jack Dorsey in diesem Jahr antreten müssen.

Pichai musste sich bei seiner Anhörung auch wiederholt gegen Vorwürfe von Republikanern wehren, der Internetkonzern unterdrücke konservative Meinungen. "Ich führe das Unternehmen ohne jegliche politische Ausrichtung", versicherte er. Der texanische US-Abgeordnete Lamar Smith etwa behauptete, konservative Stimmen würden während der Präsidentschaft von Donald Trump von Google stummgeschaltet. Einer seiner Kollegen wollte wissen, wieso bei der Suche nach dem Begriff "Idiot" häufig ein Bild von Trump auftauche. Der Abgeordnete Tom Marino warnte Google vor einer Regulierung durch Behörden: "Wenn die Regierung regulierend eingreift, wird das Ihnen nicht gefallen." Einige Demokraten beklagten sich hingegen, dass rechte Nachrichtenseiten zu viel Gewicht bekämen. 

Ein weiteres Thema war die Datensammlung durch Google. Der Konzern sauge ein Menge an Nutzerinformationen ein, die "die NSA erröten lassen würde", sagte der Ausschussvorsitzende Robert Goodlatte, ein Republikaner. Pichai entgegnete, Daten würden nur mit Zustimmung der Nutzer erhoben. Bei weiteren Fragen ging es unter anderem darum, was Google gegen russische Propaganda unter anderem im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 unternommen habe.