Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte schon im vergangenen Jahr Kenntnis von fünf Fällen im Zusammenhang mit dem Onlineangriff auf Politikerinnen und Prominente. Zunächst habe das BSI sich um einen Einzelfall "intensiv gekümmert", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. In vier weiteren Fällen seien von Betroffenen Strafanzeigen gestellt worden. Darüber sei das BSI informiert worden. "Im Nachhinein ist jetzt klar geworden, dass diese fünf Fälle insgesamt einen Bezug zu diesem Komplex haben."

Das Amt werde über Strafanzeigen zum Beispiel wegen Computerkriminalität informiert und prüfe dann, ob es handeln müsse, sagte der Sprecher. Nur bei zwei der vier weiteren Fälle sei das BSI aktiv geworden. In den anderen beiden Fällen habe die Justiz bereits ermittelt.

Das BSI ging nach eigenen Angaben im Dezember noch von einem Einzelfall aus. Damit korrigierte die Behörde Angaben ihres Präsidenten Arne Schönbohm, wonach man im Dezember schon mehrere Betroffene kontaktiert habe. Das Bundesinnenministerium erfuhr nach Aussage des Sprechers erst in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar von dem Vorfall. Dies sei korrekt gewesen, da das BSI für einen Einzelfall als Fachbehörde zuständig sei, sagte der Sprecher des Innenministeriums. Vieles deute darauf hin, dass die Daten "auf unterschiedliche Art und Weise erlangt worden sind, unter anderem durch unbefugte Zugriffe auf Nutzerkonten".

"Verdeckte Phase der Ermittlungen dauert an"

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte sich an diesem Montag mit Schönbohm und BKA-Präsident Holger Münch über den Stand der Ermittlungen informieren lassen. "Noch stehen allerdings die Ergebnisse nicht so fest, dass wir sie an die Öffentlichkeit geben wollen", hieß es vorher. Seehofer hatte angekündigt, die bisherigen Erkenntnisse bis Mitte der Woche mitteilen zu wollen.

In Heilbronn wurde bereits am Sonntag die Wohnung eines Zeugen durchsucht, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft bestätigte. "Die verdeckte Phase der Ermittlungen dauert an", sagte er. Auch haben die Ermittler erste Zeugen vernommen.

Nach Ansicht des Chaos Computer Clubs (CCC) ist der Täter unvorsichtig vorgegangen und hat zu viele Informationen von sich preisgegeben. Von dem Datendiebstahl sind rund 1.000 Politiker und Prominente betroffen. Als Konsequenz hat das Bundesinnenministerium Verbesserungen in der Abwehr solcher Attacken angekündigt. Das Cyber-Abwehrzentrum, das im konkreten Fall die Ermittlungen führe, werde verbessert, "ein Cyber-Abwehrzentrum plus" werde in den nächsten Monaten konkret ins Werk gesetzt, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU).

Nahles fordert Privatssphäre

Die von dem Datendiebstahl betroffene SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sagte, es habe sie "persönlich sehr berührt" und "auch verletzt", dass neben ihrer Handy-Nummer auch ihre private Anschrift im Netz zu finden war. Vor allem wegen ihrer kleinen Tochter wolle sie "eine gewisse Privatsphäre wahren", sagte Nahles im Südwestrundfunk.

Nahles lebt in einem Dorf in der Eifel. Die Polizei habe dort nun viele Streifen gefahren, sagte Nahles. "Das kann man aber auf Dauer auch nicht so machen." Sie hoffe, dass "die Menschen meine Privatsphäre bei mir in meinem Dorf auch wahren".

Anmerkung der Redaktion: In der Berichterstattung über das Leaken privater Daten von Politikern und Prominenten nennt ZEIT ONLINE in aller Regel keine Namen von Betroffenen und trägt keine geleakten Informationen durch Veröffentlichung weiter. Die Daten sind nach derzeitigem Kenntnisstand privater Natur, an ihnen besteht kein öffentliches Interesse.