Das Bundeskriminalamt (BKA) hat einen mutmaßlichen Hacker festgenommen, der für den Diebstahl der Daten von rund 1.000 Politikerinnen, Politikern und Prominenten verantwortlich sein soll. Nach Informationen der ZEIT handelt es sich dabei um den 20-jährigen Johannes S. aus Hessen, den die Ermittler der Sonderkommission Lage am Sonntag festgenommen hatten. Am Montag gestand er die Tat. Nach bisherigen Erkenntnissen soll es sich um einen einzelnen Täter ohne Verbindungen ins Ausland handeln.

Seine Wohnung war am Sonntag durchsucht worden. In der ersten Vernehmung hatte der junge Mann zunächst noch abgestritten, unter den Pseudonymen "Orbiter" und "G0d" für den Diebstahl und die Veröffentlichung von mehreren Gigabyte an Privatdaten verantwortlich zu sein. Im weiteren Verlauf der Befragungen räumte er dann ein, hinter dem Angriff gestanden zu haben.

BKA-Beamte hatten am Sonntag auch die Wohnung eines Zeugen in Heilbronn durchsucht und mehrere Zeugen vernommen. Weitere Details zu der Festnahme von Johannes S. will das BKA um 12 Uhr auf einer Pressekonferenz mitteilen.

50 bis 60 schwere Fälle

Von dem Diebstahl der Daten, die Anfang Dezember in großer Menge im Internet auftauchten, waren zahlreiche Politiker und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betroffen. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Twitter-Account verbreitet. (Lesen Sie hier, was wir über den Datenleak und den Urheber wissen.) Das Innenministerium sprach am Montag von 50 bis 60 schweren Fällen, in denen größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenzen veröffentlicht worden seien, sowie rund 1.000 weiteren, bei denen es nach den bisherigen Erkenntnissen überwiegend um reine Kontaktdaten gehe.

Es soll aber auch mindestens fünf frühere Fälle geben, die "einen Bezug zu dem Komplex haben", wie es das Innenministerium formuliert. Darunter soll der Fall eines Abgeordneten sein, der sich im Dezember an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gewandt hatte. Vier weitere Betroffene stellten demnach bereits vor den Veröffentlichungen im Internet Strafanzeigen, zwei dieser Fälle seien ebenfalls vom BSI aufgegriffen worden. Erst im Nachhinein sei deutlich geworden, dass die Fälle in Beziehung zu dem jetzigen Datenleak stünden, hieß es vom BSI

Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern. Dazu soll in den nächsten Monaten unter anderem ein "Cyber-Abwehrzentrum plus" geschaffen werden.

Anmerkung der Redaktion: In der Berichterstattung über das Leaken privater Daten von Politikerinnen, Politikern und Prominenten nennt ZEIT ONLINE in aller Regel keine Namen von Betroffenen und trägt keine geleakten Informationen durch Veröffentlichung weiter. Die Daten sind nach derzeitigem Kenntnisstand privater Natur, an ihnen besteht kein öffentliches Interesse.