Datenleak - Verdächtiger soll aus Ärger über Politiker gehandelt haben Ein 20-Jähriger hat gestanden, dass er die Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht hat. Er gab bei der Vernehmung an, allein gehandelt zu haben. © Foto: Boris Roessler/dpa

Der Verdächtige im Fall des Datenklaus ist laut Bundeskriminalamt ein Einzeltäter. Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Beteiligung weiterer mutmaßlicher Täter gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk, der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Die notwendigen Kenntnisse zum Ausspähen seiner Opfer im Internet habe sich der Schüler selbst beigebracht.

Als Motiv gab der 20-Jährige an, aus Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politikerinnen, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens gehandelt zu haben. Er war am Sonntag in Mittelhessen festgenommen worden. In Vernehmungen habe er die "gegen ihn erhobenen Vorwürfe umfassend eingeräumt", hieß es vom BKA. Zudem habe er "über eigene Straftaten hinaus Aufklärungshilfe geleistet". 

Der Schüler, der noch bei seinen Eltern lebt, ist am Montag mangels Haftgründen wieder freigelassen worden. Die bei Durchsuchungen beschlagnahmten Beweismittel wie Computer und Datenträger würden nun umfassend ausgewertet. Ein Computer, den der Verdächtige beiseitegeschafft habe, sei gefunden worden. 

Verdächtiger nutzte Sicherheitslücken

Dem jungen Mann sei es durch eine "ausgeklügelte Vorgehensweise" gelungen, die Daten auszuspähen, sagte Ungefuk. Es habe nicht nur eine, sondern mehrere Ausspähaktionen gegeben, vor allem im Jahr 2018. Zudem habe er Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengetragen. Nach Erkenntnis der Ermittler nutzte der junge Mann mehrere Sicherheitslücken, die inzwischen teilweise geschlossen worden seien.

Der Chef des Bundeskriminalamts Holger Münch sagte bei einer Pressekonferenz in Berlin, dass der 20-Jährige bereits vor zwei Jahren wegen einer ähnlichen Aktion bekannt geworden sei, während der er Daten ausgespäht haben soll. Der Schüler sei jedoch nicht vorbestraft.

Über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit soll der Beschuldigte im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Rund 1.000 Politiker, Prominente und Journalistinnen sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums von dem Onlineangriff betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenzen veröffentlicht wurden, hieß es von dem Ministerium. (Lesen Sie hier, was wir über den Datenleak und den Urheber wissen.)

Anmerkung der Redaktion: In der Berichterstattung über das Leaken privater Daten von Politikern und Prominenten nennt ZEIT ONLINE in aller Regel keine Namen von Betroffenen und trägt keine geleakten Informationen durch Veröffentlichung weiter. Die Daten sind nach derzeitigem Kenntnisstand privater Natur, an ihnen besteht kein öffentliches Interesse.