Apple muss den Erben eines toten iCloud-Nutzers Zugang zu dessen Konto gewähren. Das hat das Landgericht Münster entschieden. Die Angehörigen erhoffen sich von den in der iCloud gespeicherten Daten Erkenntnisse über die Gründe für den Tod des Apple-Kunden. In der iCloud können Fotos, E-Mails und andere Dokumente gespeichert werden (Az.: 014 O 565/18).

Nach Angaben der Rechtsanwälte der Erben starb der Familienvater während einer Reise im Ausland. Apple habe den Wunsch der Angehörigen, Zugang zu den in der iCloud gespeicherten Daten zu erhalten, außergerichtlich abgelehnt.

Apple wollte den Fall nicht kommentieren. Der Konzern hat laut Experten in der Vergangenheit auch ohne Gerichtsverfahren in ähnlich gelagerten Fällen den Erben Zugang zu iCloud-Daten von Verstorbenen ermöglicht. Dazu habe die Vorlage eines Erbscheins genügt. In anderen Fällen sei ein Gerichtsbeschluss nötig gewesen, damit die Erben Zugang erhielten.

Im vergangenen Juli hatte der Bundesgerichtshof (BGH) grundsätzlich entschieden, dass auch persönliche Inhalte im Netz grundsätzlich an die Erben fallen. Es gebe keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Briefe oder Tagebücher (Az. III ZR 183/17). In dem Fall ging es um das Facebook-Konto einer 15-Jährigen, die Ende 2012 in Berlin vor eine U-Bahn gestürzt war. Die Eltern wollten mit Hilfe der Facebookdaten klären, ob ihre Tochter Suizid begangen hat oder verunglückt ist. Mit dem Urteil des Landgerichts Münster wird die BGH-Entscheidung auf andere Onlinedienste übertragen.