"Netflix möchte die beste Streamingplattform sein, nicht die beste IT-Infrastruktur-Firma", sagt Werner Vogels. Darum nutze Netflix die Cloud-Dienste von Amazon, obwohl die beiden Unternehmen beim Streaming konkurrieren. © [M] Richard Brian/Reuters

Was viele Menschen nicht wissen: Egal worauf sie im Netz klicken, die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass sie dadurch irgendwo auf der Welt einen Server von Amazon Web Services (AWS) anwerfen, der Cloud-Computing-Tochter des Onlinekaufhauses Amazon. So lagern etwa alle Filme und Serien, die auf der Streamingplattform Netflix verfügbar sind, auf AWS-Rechnern. Ebenso läuft das Videospiel Fortnite über das Cloud-Computing von Amazon, und wenn man auf der Website von Zalando ein neues T-Shirt bestellt, geschieht das ebenfalls über AWS. Ursprünglich lag auch alle Musik, die der Streamingdienst Spotify zum Hören anbietet, auf AWS-Rechnern; mittlerweile hat sich das schwedische Unternehmen jedoch entschlossen, in die Cloud von Amazon-Konkurrent Google zu wechseln.

Was bedeutet es, wenn derart viele verschiedene Onlinedienste keine eigene IT-Infrastruktur besitzen, sondern die Rechenkapazitäten eines Cloud-Anbieters wie AWS nutzen, der in dem Bereich Weltmarktführer ist? Sind unsere Daten dort wirklich sicher, auch sicher voneinander getrennt? Und wirft Amazon wirklich keinen Blick auf all das, was da in den AWS-Rechenzentren überall auf der Welt gespeichert ist und dort prozessiert wird?

Nein, sagt Werner Vogels, der Chief Technology Officer (CTO) von Amazon, in der neuen Folge des Digitalpodcasts Wird das was? von ZEIT ONLINE. Würde Amazon seinen Unternehmenskunden nicht garantieren, dass deren Daten absolut sicher aufgehoben seien bei AWS, gäbe es die Cloud-Computing-Tochter längst nicht mehr. Die ist ein hochprofitabler Unternehmensteil: AWS trug zwar nur rund zehn Prozent zu Amazons Gesamtumsatz von 232 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 bei, aber mit 7,2 Milliarden Dollar knapp die Hälfte des Konzerngewinns.

Im Interview mit Kulturredakteur Dirk Peitz spricht Vogels über die Risiken und den vermeintlichen Segen des Cloud-Computing. Außerdem erzählt der 60-Jährige, warum er Sprachassistenten wie Amazons Alexa für die Zukunft der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine hält; warum er den Interviewer leider umbringen müsste, würde er verraten, woran Amazon gerade sonst noch so arbeitet; und von welcher Erfindung ein Tech-Vordenker wie er träumt.

Das Interview mit dem Niederländer Vogels wurde auf dessen Bitte hin in englischer Sprache geführt – die Niederländisch-Kenntnisse des Interviewers wären zu begrenzt gewesen. Da wir davon ausgehen, dass es den meisten deutschsprachigen Zuhörerinnen und Zuhörern in dem Punkt ähnlich geht, hoffen wir, dass das Gespräch auf Englisch für die meisten gut verständlich ist.

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