Das iPhone-Geschäft geht zwar weltweit zurück, doch Hersteller Apple kann die Rückgänge verkraften und wächst wieder. Insgesamt sind Umsatz und Gewinn im vergangenen Quartal höher ausgefallen als erwartet, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Von April bis Juni zogen die Gesamterlöse des Smartphone-Herstellers um ein Prozent auf 53,8 Milliarden Dollar an. Allerdings fiel der Nettogewinn auf gut zehn Milliarden Dollar, nachdem es im Jahr zuvor noch 11,5 Milliarden waren.

Für Apple-Chef Tim Cook ist die Erholung eine Folge der Anstrengungen, unabhängiger vom iPhone zu werden. Erstmals seit sieben Jahren stand das Smartphone wieder für weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes. Dafür liefen die Geschäfte mit anderen Geräten und Dienstleistungen wie Musikstreaming deutlich besser.

Vor allem das Wachstum mit Serviceangeboten stimmt den Apple-Chef optimistisch. Die Umsätze in der Sparte legten im vergangenen Quartal um 12,6 Prozent auf einen Rekordwert von 11,5 Milliarden Dollar zu. Die mit dem iPhone erzielten Erlöse gingen dagegen um zwölf Prozent auf 26 Milliarden Dollar zurück. Auch mit Apple-Uhren und AirPod-Kopfhörern, den vernetzten HomePod-Lautsprechern sowie Zubehör erwirtschaftete Apple mehr als Analysten im Vorfeld erwartet hatten.

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Apple-Kreditkarte kommt im August

Um von den iPhones unabhängiger zu werden, baut Apple das Geschäft mit Musik, dem App Store und Cloud-Dienstleistungen aus. In den kommenden Monaten soll zudem ein Streamingdienst für selbst produzierte Filme und Serien dazu kommen, was Netflix und Amazon schon seit vielen Jahren anbieten. Zudem verspricht sich Apple Umsatzwachstum durch eine hauseigene Kreditkarte. Diese soll im August auf den Markt kommen.

Eine spannende Frage ist, wie der Wandel der Erlösquellen auf Dauer die Geschäftspolitik von Apple verändern kann. Der Konzern macht sein Geld traditionell mit dem Verkauf von Geräten, wodurch er sich zum Beispiel klar von Tech-Rivalen wie Facebook und Google abgrenzen kann, die sich durch Werbung finanzieren und dafür auf Nutzerdaten angewiesen sind. Bei Apple dienten Online-Angebote ursprünglich dazu, als Ergänzung die eigenen Geräte attraktiver zu machen. Jetzt sind sie aber ein eigenständiger wirtschaftlicher Faktor mit zunehmender Bedeutung. Es ist zum Beispiel finanziell lukrativ für Apple, wenn Nutzer viel Geld in Spiele-Apps ausgeben oder größere Mengen Online-Speicherplatz brauchen.

Apple hat mit seinem iPhone vor rund zehn Jahren den Markt für Mobiltelefone revolutioniert. Für das laufende Quartal erwartet Cook Umsätze zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar. Analysten prognostizierten bisher etwas mehr als 61 Milliarden Dollar. "Keiner kann sagen, wie es im Handelsstreit weitergeht, aber ich gehe davon aus, dass am Ende eine gute Lösung gefunden wird und wir alle davon profitieren werden", so Cook. Der Technologie-Riese stellt seine wichtigsten Produkte hauptsächlich in China her.

In China geht es aufwärts

Auf dem chinesischen Markt lief es zwar nicht so rund wie früher, aber nicht mehr ganz so schlecht wie zu Jahresbeginn: Die Umsätze fielen dort um vier Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar. Im Zeitraum Januar bis März waren sie noch um 22 Prozent eingebrochen. Mit dem jetzigen Umsatzrückgang schnitt Apple zudem etwas besser ab als der Gesamtmarkt für Smartphones in China. Dieser fiel laut der Marktforschungsfirma Canalys um sechs Prozent. Cook sagte der Nachrichtenagentur Reuters, in China gehe es in allen Sparten aufwärts, nur im iPhone-Bereich nicht.

Die Schwäche dort liegt vor allem am Handelsstreit zwischen der Volksrepublik und den USA. Zwar wurden die zuletzt ins Stocken geratenen Verhandlungen wieder aufgenommen. US-Präsident Donald Trump warnte die Regierung in Peking zuletzt aber mit harschen Worten, nicht auf Zeit zu spielen.

Cook sagte in einer Telefonkonferenz, dass Apple auch die neue Generation des Profi-Computers Mac Pro in den USA montieren wolle. Das sei der Grund, warum der Konzern beantragt habe, chinesische Bauteile für das Gerät von den 25-prozentigen US-Sonderzöllen auszunehmen. Trump hatte vergangene Woche erklärt, der Konzern werde keine Befreiung von den Sonderzöllen bei chinesischen Bauteilen bekommen. "Baut sie in den USA, keine Zölle", schrieb Trump auf Twitter. Cook sagte, Apple erkläre derzeit die Position des Konzerns und hoffe auf eine Bewilligung des Freistellungsantrags.

Apple montiert das bisherige Mac-Pro-Modell seit 2013 in Texas. Nach der Vorstellung der neuen Generation im Juni hatten das Wall Street Journal und die New York Times geschrieben, die Endfertigung solle nach China verlegt werden. Cook sagte, die meisten Apple-Produkte würden "gewissermaßen überall" produziert, mit Beiträgen etwa aus den USA, Europa, Südkorea, Japan und China. "Das liegt in der Natur einer globalen Zuliefererkette."

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