In den Rechenzentren von Cloud-Diensten werden natürlich jeden Tag große Mengen an Daten hochgeladen, die gespeichert werden müssen. Wird Speicherplatz als überschreibbar ausgewiesen, ist daher damit zu rechnen, dass er innerhalb einer bestimmten Zeit wieder neu belegt wird. Vermutlich aus diesem Grund geben die großen Cloud-Anbieter in der Regel Zeiträume an, bis zu deren Ende die Daten aus den aktiven Speichern gelöscht sein sollen.

Bei der Unternehmenslösung Google Cloud dauert es nach Unternehmensangaben bis zu zwei Monate, bis eine Datei aus den aktiven Speichern gelöscht wird. Auf Nachfrage teilt Google mit, dass die allerdings nicht deckungsgleich mit der Speicherung von Fotos und Videos sei, die über Google Fotos gespeichert wurden. Wie lang die Fristen dort sind, beantwortete das Unternehmen auf Rückfrage aber nicht. Andere Dienste, etwa das cloudbasierte Office 365 von Microsoft, entfernt die Daten in den entsprechenden Cloud-Speichern nach eigenen Angaben bereits nach 30 Tagen.

Auf Anfrage teilt Apple ZEIT ONLINE mit, dass es bis zu 40 Tage dauern kann, bis ein Foto dauerhaft von den iCloud-Servern gelöscht wird, wenn der Nutzer die Funktion iCloud-Fotos aktiviert hat. Bei Nutzern, die die etwas spartanischere Fotostream-Funktion aktiviert haben, werden Fotos nach 30 Tagen ohnehin automatisch aus der iCloud entfernt, erklärt das Unternehmen auf seiner Homepage.

Allerdings werden Dateien schon vor ihrer Löschung praktisch unlesbar gemacht. Denn Daten werden auf den Cloud-Servern von Google Cloud  und Apple nach eigenen Angaben verschlüsselt gespeichert . Und bevor die Dateien dort tatsächlich gelöscht werden, werden schon die Informationen vernichtet, die notwendig wären, um die verschlüsselt gespeicherten Dateien lesbar zu machen.

Im Langzeit-Backup bis zu 180 Tage

Ganz weg ist eine Datei damit aber noch immer nicht. Denn in der Cloud existiert nicht nur eine Kopie davon, sondern viele. Um ihren Kunden Zugriff auf alle Daten auch dann zu ermöglichen, wenn es einmal zu technischen Problemen in einem ihrer Rechenzentren kommt, erstellen Cloud-Anbieter in der Regel gleich mehrere Back-ups der Daten – räumlich möglichst getrennt von den Speichern, auf die die Cloud gewöhnlich zugreift. Hinzu kommen die Back-ups, die viele Menschen zusätzlich dazu von ihren Smartphones, Tablets oder sonstigen Geräten und den Daten darauf erstellen.  Und auch von solchen cloudgespeicherten Back-ups fertigt der Cloud-Betreiber naturgemäß wiederum Back-ups an.

Eine Datei wie zum Beispiel ein Foto ist also erst dann ganz weg, wenn sämtliche Kopien und Back-ups gelöscht sind. Für die Unternehmenslösung Google Cloud benennt das Unternehmen dafür einen klaren Zeitraum: Daten würden in den Langzeit-Back-up-Systemen bis zu 180 Tage aufbewahrt, schreibt das Unternehmen in seinem ausführlichen Bericht zu den Löschprozessen.

Der Grund: In diesen Back-ups sind riesige Datenmengen gespeichert. Und zwar nicht für jeden Nutzer einzeln, sondern in großen Klumpen. Die Systeme können nicht gezielt und separat löschen, sondern müssen warten, bis ein Back-up durch ein Neues ersetzt wird und alte Back-ups auf Googles Servern überschrieben werden.

Das bedeutet: ist eine Datei aus den aktiven Cloud-Speichern gelöscht, wird es auch nicht mehr in Back-ups kopiert. Nach sechs Monaten, so schreibt Google, sei dann wirklich alles weg.

Wie sich das jedoch für Fotos verhält, die über Google Fotos in einer, aber offensichtlich nicht der Business-Cloud gespeichert wurden, erklärte das Unternehmen jedoch auf Rückfrage nicht. 

Apple hingegen argumentiert anders herum: In seinen AGB sagt Apple keinen konkreten Zeitraum zu, bis wann die Back-ups tatsächlich gelöscht sind, sondern behält sich umgekehrt das Recht vor, Back-ups zu entfernen – und zwar jegliche mit einem Gerät assoziierte Back-ups zu löschen, wenn von diesem Gerät 180 Tage lang kein neues Back-up erstellt wurde. Konkretere Angaben machte das Unternehmen auch auf Rückfrage nicht.