Nordkorea hat nach UN-Angaben bei Cyberangriffen auf Banken und Plattformen für Kryptowährungen bis zu zwei Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) für sein Atom- und Raketenprogramm gestohlen. Viele der Hacker arbeiteten unter Leitung des Geheimdienstes des autokratischen Staates. Sie "beschaffen Geld für sein Programm für Massenvernichtungswaffen", heißt es in einem Bericht unabhängiger Experten für den Nordkorea-Sanktionsausschuss der Vereinten Nationen. Die Nachrichtenagentur AFP konnte den Bericht einsehen. Im September soll der Bericht dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt und danach veröffentlicht werden.

Die UN untersucht demnach mindestens 35 bekannt gewordene Attacken Nordkoreas auf Finanzinstitutionen und Kryptowährungsplattformen. Solche Angriffe könnten schlechter zurückverfolgt und überwacht werden als Angriffe auf den traditionellen Bankensektor.

Der Sicherheitsrat hat wegen des nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramms bereits eine Reihe von Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Dem UN-Bericht zufolge versucht Nordkorea mit den Cyberangriffen unter anderem die Finanzsanktionen gegen das Land zu umgehen. Mit Digitalwährungen wie Bitcoin lässt sich online weitgehend anonym bezahlen, weil sie unabhängig von Regierungen oder Banken funktionieren.

Nordkorea wird immer wieder mit aufwendigen Angriffen im Internet in Verbindung gebracht. Die US-Regierung macht Nordkorea etwa für den Angriff mit der Erpressungssoftware WannaCry verantwortlich, die 2017 Hunderttausende Computer in 150 Ländern verschlüsselte. Auch die Attacke auf Sony Pictures im Jahr 2014, bei der der komplette E-Mail-Bestand des Hollywoodstudios erbeutet und die Server gelöscht wurden, schreiben die USA Nordkorea zu.