Bei einer Razzia gegen mutmaßliche Cyberkriminelle hat die Polizei in einem ehemaligen Nato-Bunker im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach sechs Verdächtige festgenommen. Das rund 13.000 Quadratmeter große Gelände sei umzäunt und bewacht gewesen, teilte der Chef des Landeskriminalamts (LKA) Rheinland-Pfalz, Johannes Kunz, mit. Eine weitere Person sei im hessischen Schwalbach festgenommen worden.

Die Ermittler werfen den Tatverdächtigen Steuerdelikte, die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie Beihilfe zu Hunderttausenden Drogendelikten und weiteren Straftaten vor. Sie sollen zahlreiche Websites gehostet haben, über die international agierende Kriminelle verbotene Waren wie Drogen, gefälschte Dokumente und gestohlene Daten vertrieben, Kinderpornografie verbreiteten und groß angelegte Cyberangriffe verübten.

Als Hauptbeschuldigter gilt den Ermittlern zufolge ein 59-jähriger Niederländer, der das Rechenzentrum ab 2013 aufgebaut haben soll. Er habe den ehemaligen Nato-Bunker gekauft und das fünfstöckige Rechenzentrum sukzessive aufgebaut. Ihm werden Beziehungen zur organisierten Kriminalität vorgeworfen. Seit Donnerstag ist das Rechenzentrum abgeschaltet.

Der Betrieb eines Rechenzentrums, das illegale Seiten hostet, sei grundsätzlich nicht strafbar, sagte der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, Jürgen Brauer. "Strafbar ist das Verhalten nur, wenn die Betreiber des Rechenzentrums das illegale Verhalten ihrer Kunden kennen und mit ihrem Betrieb fördern."

"Wir gehen davon aus, dass uns die Auswertung der Daten noch mehrere Monate oder Jahre beschäftigen wird", sagte Kunz. Das Material sei "gigantisch". "Erstmals wird nicht gegen einen Betreiber von Shops oder Marktplätzen ermittelt, sondern gegen diejenigen, die diese Straftaten erst möglich machen", sagte Brauer.

Kunden und Kundinnen der mutmaßlichen Täter seien den Ermittlern zufolge zum Beispiel die Betreiber des weltweit zweitgrößten Marktplatzes im Darknet zum Kauf von Drogen, Wall Street Market. Dieser wurde im April nach Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, des Bundeskriminalamts und des FBI zerschlagen. Ebenso sei 2016 ein Cyberangriff auf 1,25 Millionen Telekom-Router über einen Server in dem ehemaligen Nato-Bunker gesteuert worden.

Die Behörden ermittelten fünf Jahre lang gegen die Gruppe. Bei der Zugriffsaktion mit 650 Polizeikräften aus Deutschland und Unterstützung von Spezialeinheiten wie der GSG9 habe es auch Durchsuchungen in Deutschland, in Luxemburg, in den Niederlanden und Polen gegeben.