"Es gab auch andere Formen des Teilens" vor der Sharing Economy, sagt Frank Trentmann: Bibliotheken und Schwimmbäder etwa. © Niklas Grapatin für ZEIT ONLINE

Manchmal verändern Vorträge die Welt. Oder zumindest verändern sie die Art, wie wir über Dinge nachdenken und welche Begriffe wir dabei verwenden: Vor knapp einem Jahrzehnt, im Mai 2010, hat die Publizistin Rachel Botsman in Sydney einen TED-Vortrag gehalten, in dem sie dafür plädierte, dass wir Menschen Güter und Dienstleistungen lieber miteinander teilen sollten, statt sie auf herkömmliche Weise zu kaufen. Botsman nannte das collaborative consumption, kooperativen Konsum, der nachhaltiger, sozialer und ressourcenschonender sein sollte als das althergebrachte Modell Shoppen-und-Wegschmeißen.

Wieso wir zum Beispiel eine Bohrmaschine kaufen würden, wenn wir damit bis zum Ende von deren Produktleben durchschnittlich nur insgesamt eine Viertelstunde lang Löcher in Wände bohren würden? Warum gab es nicht eine Bohrmaschine für ganz viele Leute? Popularisiert wurde die durchaus utopische Idee dann unter dem Begriff Sharing Economy, der die vermeintlich neue Wirtschaftsweise bezeichnet.

Denn so neu sei die auch vor bald zehn Jahren nicht gewesen, sagt der Konsumhistoriker Frank Trentmann in der neuen Folge des Digitalpodcast Wird das was? von ZEIT ONLINE: "Schon Höhlenbewohner haben Sachen geteilt." Die Idee des Teilens, Leihens und Verleihens sei so alt wie die des Besitzens, so Trentmann, der am Birkbeck College der University of London Geschichte lehrt. Und vieles von dem, was streng genommen auch unter den Begriff Sharing Economy falle, würden wir schlicht nicht als etwas wahrnehmen, das wir miteinander teilen: öffentliche Bibliotheken, öffentliche Schwimmbäder, den öffentlichen Nahverkehr. Doch ausgerechnet diese Institutionen, die zumeist von Städten unterhalten werden, seien in den vergangenen Jahrzehnten unter Spardruck geraten.

Zum Zeitpunkt von Botsmans Vortrag existierten die beiden heute wohl bekanntesten Unternehmen der Sharing Economy, der Mitfahrdienst Uber und die Unterkunftsvermittlung Airbnb, seit einem Jahr beziehungsweise zwei Jahren. Und das neueste Leihgerät unserer "hypermobilen Zeit", wie Trentmann die Gegenwart nennt, war noch nicht einmal erfunden: der E-Scooter. Aber ist das Herumfahren auf Tretrollern nun ernsthaft das, was von der Utopie der Sharing Economy übrig geblieben ist? Wurde uns nicht mehr versprochen, haben wir uns nicht selbst mehr davon versprochen? Sind die Firmen der Sharing Economy wirklich fair zu den Menschen, die für sie arbeiten? Und wie genau sieht die Zukunft des Konsums eigentlich aus?

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