Apple hat eine Verkehrsapp aus seinem Angebot entfernt, die Demonstrierenden in Hongkong die Standorte der Polizei anzeigt. Die Entwickler der App hkmap.live teilten auf Twitter mit, der Konzern habe das Programm aus dem App Store gelöscht. Demnach begründete Apple die Entscheidung damit, dass die mobile Verkehrsanwendung die Strafverfolgung behindere und Bewohnerinnen und Bewohner Hongkongs gefährdet habe.

Zuvor hatte die chinesische Regierung Apple vorgeworfen, die Aktivistinnen und Aktivisten in Hongkong zu unterstützen. Die App mache es Demonstrierenden leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen, hatte eine parteinahe Zeitung kritisiert. Niemand wolle das US-Unternehmen in die Unruhen in der Sonderverwaltungsregion hineinziehen. Man habe jedoch "Grund zu der Annahme, dass Apple Geschäft mit Politik und sogar illegalen Handlungen vermischt", hieß es in dem Artikel. Das Unternehmen müsse "über die Konsequenzen seiner unklugen und rücksichtslosen Entscheidung nachdenken". Das Blatt der Kommunistischen Partei störte sich auch daran, dass ein Lied, welches die Unabhängigkeit Hongkongs besingt, in Apples Musikstreamingdienst abrufbar ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Apple dem Willen der Regierung in Peking beugt. So löschte es vor zwei Jahren zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem chinesischen App Store, mit denen die strengen Internetsperren des Landes umgangen werden konnten. Zuvor hatte Apple die App der New York Times aus seinem chinesischen Angebot gelöscht.

Für den US-Konzern ist die Volksrepublik nach den USA der wichtigste Markt. Apple macht knapp 20 Prozent seines Umsatzes in China. Darüber hinaus spielt die Volksrepublik eine Schlüsselrolle in der Wertschöpfungskette der Apple-Produkte. Im vergangenen Jahr hat Apple 220 Millionen iPhones und viele andere Geräte in der Volksrepublik produzieren lassen. Apple-Vertragspartner wie Foxconn gehören zu den größten Arbeitgebern in China.

Seit fünf Monaten demonstrieren Aktivistinnen und Aktivisten in Hongkong für freie, demokratische Wahlen und gegen den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber – anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik – mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.