Für die erfolgreiche Gestaltung des digitalen Wandels fehlt der Bundesregierung nach Einschätzung der meisten Bürgerinnen und Bürger der Durchblick. Zu diesem Fazit kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der ESCP Business School Berlin. Demnach halten nur zwei Prozent der Bevölkerung die Regierung auf diesem Gebiet für sehr kompetent. 47 Prozent der Befragten, die für den sogenannten Digitalreport 2020 befragt wurden, finden sie "weniger kompetent". Zehn Prozent glauben, sie sei "gar nicht kompetent".

Dieser vermutete Mangel an Kompetenz steht im Gegensatz zu der Wichtigkeit, den die Menschen diesem Thema beimessen. So stimmten 90 Prozent der Teilnehmenden der repräsentativen Umfrage der Aussage zu, es sei wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Politikerinnen und Politiker einschätzen könnten, was im Zusammenhang mit dem Thema Digitalisierung unternommen werden müsse.

Bär, Braun und Scheuer erscheinen "kaum kompetent"

Von den fünf Kabinettsmitgliedern, die für Digitalisierung zuständig sind, erhält Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier noch die besten Noten. 18 Prozent der Befragten nannten auf die Frage, welchem Minister sie in dem Bereich am meisten zutrauten, den Namen des CDU-Politikers. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hielten acht Prozent für die fähigste Gestalterin der Digitalisierung. Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), erwähnten hingegen nur fünf Prozent der Befragten. Noch schlechter als Bär schnitten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) ab – mit jeweils vier Prozent.

Überraschenderweise erhalten CDU und CSU von allen Parteien immer noch die besten Noten – auch wenn die für Digitalisierung zuständigen Kabinettsmitglieder allesamt der Union angehören. Dennoch sehen 13 Prozent der Befragten bei diesen beiden Parteien das "überzeugendste Konzept" für einen digitalen Wandel. Über Grüne und FDP sagten das nur jeweils sieben Prozent der Befragten. Für fünf Prozent haben die Sozialdemokraten das beste Konzept. Über die AfD sagten das nur drei Prozent, über die Linke nur zwei Prozent der Teilnehmenden der Umfrage.

Was versteht man eigentlich unter Digitalisierung?

Damit nehmen nur die wenigsten Bürger an, dass die Opposition die Digitalisierung besser in die Wege leiten und umsetzen würde. 30 Prozent der Befragten vertraten die Auffassung, keine Partei habe ein überzeugendes Konzept, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Die in Deutschland ansässigen Unternehmen werden hier wesentlich positiver eingeschätzt. 70 Prozent der Befragten halten sie in dem Bereich für kompetent oder sehr kompetent.

Dabei hat der Begriff Digitalisierung nicht für alle Menschen dieselbe Bedeutung. Allgemein versteht man unter Digitalisierung die Umwandlung analoger Inhalte oder Prozesse in eine digitale Form. In der öffentlichen Debatte wird der Begriff allerdings oftmals auch gebraucht, wenn es um den Breitbandausbau, die Mobilfunkabdeckung, die Vorbereitung von Schülerinnen auf die digitale Arbeitswelt oder um eine Vernetzung über soziale Medien geht.