Die Digitalisierung des deutschen Mittelstands stößt aufgrund fehlender digitaler Kompetenzen beim Personal an ihre Grenzen. Ein Drittel der kleineren und mittleren Firmen kann den Bedarf an digitalem Know-how und Fähigkeiten nicht decken, wie aus einer Studie der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht. In einer Umfrage gaben 38 Prozent der Unternehmen an, die mangelnden Kenntnisse der Mitarbeitenden seien eine große Hürde bei der Digitalisierung. Bei einer Befragung 2016 waren es noch 29 Prozent.

"Die Digitalisierung des Mittelstands hat in den letzten Jahren zwar Fahrt aufgenommen", erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Doch die Digitalkompetenzen der Beschäftigten blieben hinter der Entwicklung zurück. Vor allem mangele es den Unternehmen an Programmierkenntnissen, der Bedienung von Spezialsoftware und Kompetenzen im Onlinebereich, worunter zum Beispiel der Umgang mit sozialen Medien, Onlinemarketing-Tools und Internetrecherche zählen.

Datenanalysten und Programmiererinnen gesucht

Dabei sind für mehr als die Hälfte der Firmen (51 Prozent) jene Onlinekompetenzen wichtig. Auch der Fähigkeit, Spezialsoftware oder digitale Produktionsmaschinen zu bedienen, messen 45 Prozent der Befragten Bedeutung zu. Die Bedienung von Standardsoftware wie zum Beispiel klassischen Office-Programmen und der Umgang mit technologischen Geräten wie Smartphones oder Tablets sind inzwischen Grundfertigkeiten, die in fast allen Unternehmen benötigt werden (92 Prozent).

Großer Bedarf besteht auch bei Kompetenzen in der statistischen Datenanalyse. Zwar ist diese Fähigkeit für nur knapp 16 Prozent der Unternehmen von großer Bedeutung, doch nur die Hälfte der Mittelständler (55 Prozent) sehen den Bedarf gedeckt. Vor allem in der forschenden Industrie, wo Digitalkompetenzen besonders gefragt sind, verzeichnet die KfW-Studie die größten Engpässe. Hier werden Mitarbeitende mit Kenntnissen in der Datenanalyse dringend gesucht. Auch bei den Programmierkenntnissen verzeichnen Forschungs- und Entwicklungsunternehmen einen höheren Mangel (75 Prozent) als in den anderen Branchen (45 Prozent). 

KfW sieht Chance in digitalen Lernformaten

Viele Unternehmen setzten daher auf Weiterbildungen, um die Engpässe auszugleichen. Dies sei neben Rekrutierung von Auslagerung die wichtigste Lösungsstrategie, erklärte Köhler-Geib. Allerdings werde dies zu oft aus Kosten- und Zeitgründen unterlassen. Der KfW zufolge ist die Hürde für kleine Unternehmen häufig besonders hoch. Abwesenheiten könnten oft schlechter durch Vertretung aufgefangen werden. Auch kritisiert die KfW, dass die Weiterbildungsmaßnahmen oft nur über wenige Stunden gingen. Der Qualifikationseffekt sei demnach fraglich. 

Als eine Möglichkeit sieht Köhler-Geib den Einsatz digitaler Lernformate, zum Beispiel Lernvideos oder Onlineseminare. Diese ermöglichten flexibles, zeit- und ortsunabhängiges Lernen und passten damit besonders gut zu den Anforderungen kleiner Firmen.

Die KfW zählt Unternehmen, die nicht mehr als 500 Millionen Euro jährlich umsetzen, zum Mittelstand. Befragt wurden im Herbst 2018 gut 2.000 Firmen.