Homeoffice, Kontaktsperre, Quarantäne: Viele Menschen sind in diesen Tagen isolierter als sonst. Kaum ein digitaler Service hat davon so sehr profitiert wie Zoom. Der Videokonferenzdienst hat sich in den vergangenen Wochen nahezu nahtlos in das Leben vieler Menschen integriert: Von der Dienstbesprechung am Morgen über Univorlesungen bis hin zum abendlichen Bier mit Freunden ermöglicht er genau die soziale Interaktion, die viele in diesen Tagen so schmerzlich vermissen. Denn über diesen Dienst kann man nicht nur mit einem Menschen per Videotelefonie sprechen, sondern mit mehreren gleichzeitig. So hilft er dabei, Austausch und eine gewisse Nähe zu ermöglichen, zumindest per Bildschirm.
Für das Unternehmen aus Kalifornien ist das brillant: Seine kostenlose Cloud-Meeting-App wird nach Messungen des Unternehmens Sensor Tower in vielen Ländern so häufig heruntergeladen wie kein anderer kostenloser Dienst, der Wert der Unternehmensaktien ist auf mehr als 40 Milliarden Dollar (Stand: 30. März) hochgeschnellt. Auch die Zahl der Bezahlkunden dürfte deutlich gestiegen sein. Genaue Nutzerzahlen gibt das Unternehmen aber nicht bekannt. Stattdessen sprechen Geschäftsführer Eric Yuan und seine Mitarbeiter öffentlich lieber von großen Zuwächsen bei den Nutzerinnen und Nutzer der kostenfreien Variante ihres Angebots – und darüber, dass man aus der Corona-Krise keinen Profit schlagen wolle.
Zoom ist auch die App der Krise, weil sie auf Mobilfunkgeräten derzeit ruckelfrei funktioniert, weil man Dutzende Teilnehmerinnen und Teilnehmer problemfrei zusammenschalten kann und weil der Dienst eben nicht Google oder Microsoft gehört, sondern unabhängig ist. Das würde vielleicht schon genügen, um aktuell von vielen Menschen genutzt zu werden. Das Unternehmen hat in vielen Corona-Krisenregionen aber auch das Zeitlimit für kostenfreie Chats aufgehoben. "Wir wollen wirklich das Richtige tun", sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber Yahoo. Überhaupt fühlen sich viele Menschen bei Zoom gut verstanden und aufgehoben – sei es, weil man das Chaos seines Homeoffices gnädig hinter virtuellen Hintergründen verbergen kann, sei es, weil man je nach persönlicher Situation oder Potenz der Internetverbindung auch ohne Kamera oder unter Pseudonym an Meetings teilnehmen kann.
Kommt ein Dienst so stabil, einfach in der Bedienung und dann auch noch freundlich daher, lässt das Aber natürlich nur auf sich warten. In den vergangenen Wochen wurde Kritik laut an den Überwachungsfunktionen, der Sicherheit und dem Datenschutz des Unternehmens.
Verpetzt an den Chef
Zoom besitzt nämlich ein ziemlich
unangenehmes Überwachungsfeature: Wer das Meeting einberufen hat, kann sich
anzeigen lassen, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Gespräch auch die
volle Aufmerksamkeit schenken. Lässt
jemand die Zoom-App für mehr als 30 Sekunden aus den Augen, etwa um andere
Fenster auf seinem Bildschirm zu öffnen, wird diese Person verpetzt. Diese
Überwachungsfunktion ist nicht automatisch aktiv, der Konferenzgeber muss sie
separat aktivieren – allerdings werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines
Meetings nicht darüber informiert. Auf die Frage der Technologieseite Mashable, ob man nicht
wenigstens letzteres ändern wolle, reagierte Zoom bisher nicht.
Administratorinnen können über den Dienst außerdem Daten wie die IP-Adresse, den Standort und Informationen über die verwendete Hardware einsehen. Man mag das alles vielleicht sogar harmlos finden. Andererseits: Müssen zum Beispiel Chefs all das dokumentiert haben – von der Aufmerksamkeit bis zum Standort? Müssen die Arbeitnehmerinnen im Zoom-Call transparenter sein als bei der physischen Anwesenheit in Hörsaal und Meeting?
Auch im Bezahlbereich haben Administratoren von Zoom-Meetings weitreichende Rechte: Sie können Meetings nicht nur aufzeichnen und ein Transkript anfertigen lassen, sondern es auch in der Cloud speichern und anderen Nutzern der Firma zugänglich machen, berichtet der Techdienst Cnet. Auch das zog Kritik auf sich, könnte so doch jede Unterhaltung mit dem Chef in der Cloud dokumentiert sein.
Hey Facebook, hier Zoom
In der vergangenen Woche meldete der US-Technologiedienst Motherboard außerdem, dass Zoom freigiebig Daten mit Facebook teilt – und zwar unabhängig davon, ob die Teilnehmerinnen oder Teilnehmer einen Facebook-Account besitzen oder nicht. Sobald die App geöffnet wurde, reichte Zoom Details wie das verwendete Modell des Geräts, den Zeitpunkt, den Namen des Mobilfunkanbieters und die Werbe-ID des Geräts an Facebook weiter, so der Bericht. Letzteres dient zum Beispiel dazu, Nutzerinnen noch zielgerichtetere Werbung einzuspielen.
Ungewöhnlich daran ist weniger, dass eine App solche Daten an Facebook gibt – das machen auch andere –, sondern viel eher, dass Zoom dies in seinen Angaben zu Privatsphäre- und Datenschutzeinstellungen nicht erwähnte: Dort stand nur, dass Facebook-Profilinformationen gesammelt werden könnten, wenn sich Userinnen und User über ihren Facebook-Account bei Zoom anmeldeten.
Am Freitag reagierte das Unternehmen auf den Bericht: Es veröffentlichte ein Update seiner App für iOS-Betriebssysteme, die Datenweitergabe an Facebook ist gestoppt. "Zoom nimmt die Privatsphäre seiner Nutzer sehr ernst", heißt es in einem Blogeintrag des Unternehmens. Man sei erst am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht worden, dass Facebooks Software-Entwicklerbaustein "unnötige Gerätedaten" sammle. Man entschuldige sich in aller Form für die Bedenken, die diese Angelegenheit verursacht habe.
Homeoffice, Kontaktsperre, Quarantäne: Viele Menschen sind in diesen Tagen isolierter als sonst. Kaum ein digitaler Service hat davon so sehr profitiert wie Zoom. Der Videokonferenzdienst hat sich in den vergangenen Wochen nahezu nahtlos in das Leben vieler Menschen integriert: Von der Dienstbesprechung am Morgen über Univorlesungen bis hin zum abendlichen Bier mit Freunden ermöglicht er genau die soziale Interaktion, die viele in diesen Tagen so schmerzlich vermissen. Denn über diesen Dienst kann man nicht nur mit einem Menschen per Videotelefonie sprechen, sondern mit mehreren gleichzeitig. So hilft er dabei, Austausch und eine gewisse Nähe zu ermöglichen, zumindest per Bildschirm.