Alle sechs Monate will Google künftig veröffentlichen, welche Regierungen sie gebeten haben, Ergebnisse der Suchmaschinenseite zu zensieren. Das hat der Chefjustiziar des Unternehmens, David Drummond, wie üblich im Firmenblog angekündigt.

Die Lösch-Liste ist Teil einer neuen Strategie: In den vergangenen Jahren wurde Google oft dafür gescholten, unüberschaubare Mengen an Nutzerdaten zu sammeln. Sein Datenkraken-Image würde Google gerne loswerden. So startete das Unternehmen vor Kurzem eine Initiative namens Data Liberation, Datenbefreiung. Registrierte Nutzer können seitdem alle ihre bei Google gespeicherten Daten mitnehmen, wenn sie etwa zu einem anderen Anbieter für Mails oder Blogs wechseln.

Nun also die government requests. Zwei Arten von Regierungsanfragen werden dabei ausgewiesen: Die Bitte um Herausgabe der Daten, und die Bitte um Löschung. Der erste Punkt bezieht sich auf Versuche von Regierungen, mehr über angemeldete Nutzer zu erfahren. Der zweite den Versuch, Inhalte von Googleseiten zu entfernen, beispielsweise auch von YouTube.

Ein Blick auf die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2009 fördert erstaunliches zu Tage: Bei den Löschanfragen belegt Deutschland unter allen Ländern den zweiten Platz mit 188 Anfragen. Insgesamt die meisten Anfragen in beiden Bereichen stellte Brasilien. Bei den Datenanfragen folgen die USA mit 3580 und Großbritannien mit 1166 Anfragen.

Die Liste ist allerdings nicht vollständig. Sonst wäre der erste Platz in beiden Kategorien wohl einem anderen Land sicher. China steht nicht darauf – das hat die chinesische Regierung erfolgreich verhindert. Man könne die entsprechenden Zahlen nicht veröffentlichen, sagt Google, da sie von Peking als Staatsgeheimnis eingestuft würden. Für Google ist es erklärte Politik, sich an nationale Gesetze zu halten.

Noch etwas lässt sich aus den gezeigten Informationen nicht ablesen: die Art der gesperrten Inhalte und der Zweck der Nutzeranfragen. Aus der Liste ist lediglich ersichtlich, dass einige auf Anordnung von Gerichten erfolgten. Bei den 70 Löschanfragen für das deutsche YouTube könnte es sich sehr gut um Anfragen der Industrie handeln, die gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen will. Drummond schreibt dazu im Blog, die meisten Anfragen seien zulässig und korrekt und dienten der Strafermittlung oder der Löschung von Kindesmisshandlungsdokumenten.