Chatroulette ist ein Spielplatz der Peinlichkeiten . Man braucht nur einen Browser und eine Webcam, schon landet per Zufallsgenerator ein Video-Chat-Partner auf dem Bildschirm. Wer sich auf eine Partie Chatroulette einlässt, lernt kreischende College-Schülerinnen oder wortkarge Nerds kennen. Im besten Fall bekommen die Nutzer auf dem Klavier vorgespielt . Im schlechtesten Fall sehen sie mehr Geschlechtsteile als in einem Erwachsenenfilm.

Bei der digitalen Selbstentblößung vergessen viele Nutzer, dass sie nicht allein sind. Im wahrsten Sinne. Bereits die Tatsache, dass man mitmachen darf ohne sich wenigstens per E-Mail anzumelden, ruft viele sogenannte Faker auf den Plan: Nutzer, die sich als jemand anderes ausgeben oder bereits vorgefertigte Videos anstelle ihrer Webcam einspielen. Wie eine aktuelle Studie der Universität von Boulder/Colorado jetzt herausgefunden hat, können dahinter mehr als harmlose Scherze stecken.

So lässt sich anhand der IP-Adresse, die bei der Übertragung des Videos übermittelt wird, der genaue Standort der einzelnen Chatpartner bestimmen. Die ploppen dann als Fotos auf der Chatroulettemap auf. Und über Facebook- oder Twitter -Profile sind die Gesprächspartner schneller identifiziert, als ihnen lieb sein kann.

Inzwischen benutzt Chatroulette das Prinzip sogar selbst, um User aus der gleichen Gegend zu vernetzen . Auf Facebook beispielsweise ist es mithilfe von Gesichtserkennungstools wie face.com möglich, Personen auf Bildern zu identifizieren, und sie entsprechen zu markieren. Allerdings funktioniert das Feature nur bei Personen, die man bereits als Kontakt hinzugefügt hat. Auch Googles Bilderkennungstool Goggles verzichtet bislang aus Datenschutzgründen noch auf die Gesichtserkennung. Technisch ist sie schon lange möglich. (Fragt sich nur: wie sieht das eigentlich mit der Geschlechtsteil-Erkennung aus?)

Das Interesse der Betrüger kann über das simple Outing weit hinausgehen: Die Forscher warnen vor sogenannten Phishing-Versuchen. Hier versuchen Betrüger an private Informationen zu kommen und das geht hin bis zum kompletten Identitätsraub . Attraktive Frauen stellten sich dabei in den Versuchen der Forscher als besonders gute Köder heraus. Bereitwillig gaben die Opfer ihnen ihre richtigen Namen und E-Mailadressen preis. Keines der Opfer bemerkte, dass man ihnen dabei lediglich ein Video einspielte und die Frauen gar nicht live mit ihnen sprachen.

Auch wenn die Erkenntnisse nicht wirklich überraschen: Inzwischen werden Phishing-Methoden immer ausgeklügelter und die Betrügereien folgenreicher . Dank der Leichtgläubigkeit vieler Nutzer nehmen die Attacken in sozialen Netzwerken zu. Ganz besonders auf Seiten wie Chatroulette, die eigentlich Anonymität versprechen.