Früher brachten Eltern ihren Kindern bei, dass man nicht mit dem Finger auf andere Menschen zeigt. Im Internet aber ist vieles anders. Facebook beispielsweise macht es seit einiger Zeit möglich, andere zu taggen – die Personen auf einem beliebigen Foto namentlich zu kennzeichnen, ob sie es wollen oder nicht. Diese neue Kulturtechnik bedeutet nichts weiter, als virtuell den Finger auf jemanden zu richten.

Das taggen , also das Anbringen eines Namensetiketts, funktioniert längst auch bei anderen Anbietern. Facebook erweitert es nun auf den Raum des realen Lebens. Seit dem heutigen Donnerstag kann man auch diejenigen benennen, die sich an bestimmten Orten aufhalten.

Möglich macht das der neue Dienst Places . Wenn sie diese Funktion aktivieren, können Facebook-Nutzer anderen nicht nur mitteilen, was sie gerade tun, sondern auch, wo sie sich befinden. Vorerst nur in den USA, bald jedoch weltweit.

Geolocation heißt die Idee, und sie existiert in den Angeboten Foursquare und Gowalla schon eine Weile.

Doch wie schon mehrfach zuvor  geht Facebook in der Enttarnung seiner Kunden noch einen Schritt weiter. Wer, um ein negatives Beispiel zu wählen, einen Bekannten aus einem Sexshop kommen sieht, kann nun den Namen des Betroffenen mit dem Ort verknüpfen – für viele andere sichtbar. Er muss sich dazu zwar zuerst selbst an diesem Ort "einchecken", also preisgeben, dass auch er dort ist, dann aber kann das auch mit seinen Freunden tun.

Im Sinne des Netzwerkgedankens ist das nur konsequent. Warum die Menschen, die sich via Internet verbinden und miteinander kommunizieren, nicht auch in der stofflichen Welt zusammenbringen? Entsprechend positiv kommt ein Facebook-Werbevideo daher, das allein die Vorteile eines solchen Angebotes betont.

Die hat es ganz bestimmt. Es kann praktisch und nützlich sein, zu sehen, wer von den eigenen Freunden in der Nähe ist oder – auch das ist mit Places möglich –, die Kommentare zu lesen, die andere zu einem Ort hinterlassen haben.