Das Online-Netzwerk Facebook steht erneut wegen mangelnden Datenschutzes in der Kritik. Der Internetdienst ermögliche es, die E-Mail-Kontakte auch von Nicht-Mitgliedern auszuforschen, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung . Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisierte in der Zeitung, dies zeige ein weiteres Mal, wie wenig Respekt Facebook vor der Privatsphäre der Internetnutzer habe. Scharfe Kritik kam auch von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberg (FDP), die den laxen Umgang einiger Unternehmen mit persönlichen Daten besorgniserregend nannte. Facebook war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Allein mit einer E-Mail-Adresse ließen sich auch ohne das Passwort zu kennen bis zu 20 Personen ermitteln, mit denen der Besitzer der Adresse in Kontakt gestanden habe, berichtete die Zeitung. Grund sei, dass bei der Eröffnung eines Mitgliedskontos nicht geprüft werde, ob es sich tatsächlich um den Besitzer der angegebenen E-Mail-Adresse handle.

"Die Aufdeckung dieser weiteren Schutzlücke zeigt, wie wenig Beachtung Facebook immer noch dem sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten schenkt", kritisierte die Justizministerin. Erst Anfang des Jahres sei die Datensicherheit bei Facebook von der Stiftung Warentest als "mangelhaft" bezeichnet worden. Bei der neuen Schutzlücke handle es sich zudem offenbar nicht um eine unbeabsichtigte Panne, sondern offenbar um eine Standardfunktion des Netzwerks.

Leutheusser-Schnarrenberger forderte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) auf, das Datenschutzrecht zügig zu verschärfen. "Das Recht des Einzelnen, in eine Verwendung ihrer Daten einzuwilligen, muss deutlicher ins Datenschutzrecht aufgenommen werden", erklärte die FDP-Politikerin. Eine Einwilligung setze aber voraus, dass der Nutzer auch genau darüber informiert werde, welche Daten in welcher Form sie verwendet würden.