Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) will das Online-Netzwerk Facebook gerichtlich zu einem sensibleren Umgang mit privaten Informationen zwingen. Die Organisation sieht den Datenschutz und die Verbraucherrechte durch Facebook-Funktionen wie die Suche nach Freunden verletzt, wie der vzbv mitteilte. Das Internet-Netzwerk sei "beratungsresistent" und habe eine Abmahnung ignoriert.

Die Verbraucherschützer prangern vor allem den Freundefinder auf Facebook an. Diese Funktion verleite Nutzer dazu, Facebook sämtliche E-Mail-Kontakte preiszugeben. So wird es einerseits leichter, eigene Bekannte in dem Netzwerk zu finden. Doch der Import des E-Mail-Adressbuches macht es auch möglich, diejenigen Kontakte zu Facebook einzuladen, die dort noch nicht registriert sind – und das vielleicht auch nicht wollen. "Dies erfolgt ohne die erforderliche Einwilligung der Eingeladenen", schreibt der vzbv. Der Freundefinder verstoße gegen Bestimmungen aus dem Paragrafen 4 im Bundesdatenschutzgesetz und dem Paragrafen 13 im Telemediengesetz.

Facebook gab zunächst keine detaillierte Stellungnahme, da die Klage noch nicht vorliege. Gleichzeitig verwies eine Sprecherin auf Gespräche mit dem für Facebook zuständigen Datenschutzbeauftragten in Hamburg, Johannes Caspar. Dabei gehe es auch um den Freundefinder.

Neben dem Freundefinder kritisiert der vzbv auch, dass Facebook Drittanbietern den Zugriff auf Kontaktdaten erlaube. Das sei etwa bei Spielen auf Facebook möglich, die dort von anderen Firmen angeboten werden. Außerdem informiere Facebook unzureichend über Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen – für diese Benachrichtigungen müsse sich der Nutzer erst auf einer entsprechenden Seite registrieren.

Der vzbv hatte nach Aussage der zuständigen Referentin im Bundesverband, Carola Elbrecht, die Klage schon am 11.November eingereicht. Da Facebook nun erst Stellung nehmen müsse, gehe sie nicht davon aus, dass sich vor Gericht noch dieses Jahr etwas tue. Nach Elbrechts Worten hatte der vzbv vor der Klage Kontakt mit dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Caspar. "Wir hatten da auf Arbeitsebene einen Austausch", sagte sie. Caspar war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Facebook hat nach eigenen Angaben gut zehn Millionen Mitglieder in Deutschland – das ist etwa jeder achte Einwohner. Weltweit gibt es eine halbe Milliarde Facebook-Nutzer.

Die Auseinandersetzung um den Freundefinder ist nicht neu. So blockieren sich der Online-Gigant Google und Facebook bei dem Adressimport. Mit Plänen für einen eigenen Kommunikationsdienst hatte Facebook jüngst für Furore gesorgt – die Ankündigung war auch als Angriff auf Googles E-Mail-Dienst Gmail gewertet worden.