Nach ersten Erkenntnissen des Internetkonzerns Google sollen Hacker aus China für den jüngsten Angriff auf den E-Mail-Dienst Gmail verantwortlich sein. Google vermutet, dass die Attacke aus der ostchinesischen Stadt Jinan gestartet worden sei, wo das chinesische Militär ein Zentrum für Cyber-Spionage betreibt. Die dortige Technologie-Hochschule war bereits im vergangenen Jahr durch eine Cyber-Attacke aufgefallen.

Die chinesische Regierung wies die Vorwürfe empört zurück. "Dieses Fehlverhalten China anzulasten ist inakzeptabel", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei. Die Vorwürfe einer angeblichen Unterstützung bei dem Hackerangriff auf Google hätten keine Grundlage und verfolgten andere Motive. "Hacking ist ein internationales Problem, und China ist auch ein Opfer“, sagte Lei weiter. China sei schon immer gegen Internetkriminalität vorgegangen, auch gegen Hacker-Angriffe, und werde weiterhin "mit aller Entschlossenheit" durchgreifen.

Google hatte zuvor von dem Hacker-Angriff im firmeneigenen Blog berichtet. Zu den Geschädigten gehören demnach neben ranghohen US-Regierungsmitarbeitern auch chinesische Regimegegner, Journalisten, Militärs sowie Amtsträger aus Asien, vor allem aus Südkorea.

Die Angreifer hätten sich mit einem Trick die Passwörter erschlichen und dann vermutlich den E-Mail-Verkehr ausspioniert, teilte Google-Sicherheitsexperte Eric Grosse im Blog mit. Google habe die Attacke bemerkt und unterbunden. Die Geschädigten seien informiert und ihre Konten gesichert worden. Zudem habe Google die Behörden unterrichtet.

Die USA gehen bislang nicht davon aus, dass sich die Hacker Zugang zu offiziellen E-Mail-Postfächern der Regierung verschaffen konnten. Es gebe keinen Grund für diese Annahme, sagte ein Regierungssprecher. Die Regierung bemühe sich derzeit, alle Fakten zusammenzutragen. Auch das FBI wurde eingeschaltet. Die Ermittlungsbehörde arbeite mit Google zusammen, teilte eine Sprecherin mit. Die USA hatten unlängst gewarnt, dass Cyber-Angriffe auch militärische Vergeltungsschläge nach sich ziehen könnten. Allerdings gilt es als sehr heikel und schwierig, den genauen Ursprung solcher Internet-Attacken zweifelsfrei zu klären.

Google war nach eigenen Angaben bereits im Jahr 2009 aus China angegriffen worden. Damals hatten Hacker versucht, E-Mail-Konten von Regimegegnern zu knacken und in Google-Systeme einzudringen. Google prangerte den Vorgang öffentlich an und ging auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Führung. 

Der Konzern wollte sich damals nicht mehr an die Zensur-Vorgaben Pekings halten. Erst nach langen Verhandlungen und einem Kompromiss wurde Googles Lizenz für die Volksrepublik verlängert. Der neue Fall dürfte das Verhältnis zwischen dem Internet-Konzern und den chinesischen Behörden wieder belasten. Google betonte, dass der jetzige Angriff jedoch nicht mit früheren Attacken zu vergleichen sei. "Diese Kampagne hatte nicht die internen Systeme von Google zum Ziel, sondern sollte Passwörter von Nutzern abfangen", sagte der deutsche Google-Sprecher Kay Oberbeck.

In den vergangenen Jahren haben Cyber-Attacken aus China deutlich zugenommen, wo das unerlaubte Eindringen in Computer als eine Art Volkssport gilt. Zahlreiche Internetseiten bieten billige Grundkurse an. Die chinesische Regierung hat wiederholt bestritten, über das weit verbreitete Hacking hinwegzusehen. Doch Experten gehen davon aus, dass unabhängige Hacker von der Regierung stillschweigend toleriert werden.