ZEIT ONLINE : Herr Hyppönen, die Nato prüft, ob wirklich wichtige Dokumente von ihren eigenen Servern verschwunden sind. Ist das aus Ihrer Sicht wahrscheinlich?

Mikko Hyppönen : Es ist in der Tat gut möglich, dass Hacker von Anonymous sensible Daten einsehen konnten. Die Nato besitzt eine sehr große, aber teilweise auf Altsystemen aufgebaute IT-Infrastruktur. Daher besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es Sicherheitslücken im System gibt.

ZEIT ONLINE: Und da kann man brisantes Material erbeuten?

Hyppönen : Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die als geheim eingestuften Informationen von Schichtdienstplänen der Nato-Büros bis hin zu Blaupausen für Kampfjets reichen könnten. Es könnten also sehr unterschiedliche Informationen sein. Ein Beispiel für Dokumente, die Anonymous nach eigenen Angaben einsehen konnte, findet sich hier .

ZEIT ONLINE: Brauchte es dafür viel kriminelle Energie?

Hyppönen : Die Mitglieder von Anonymous ließen durchblicken , dass sie sich den Zugang zu den Nato-Daten mittels einer sogenannten " SQL-Injection " verschafft haben. Das bedeutet, dass sie eine Sicherheitslücke in den SQL-Datenbanken ausgenutzt haben, um eigene Datenbankbefehle einzuschleusen. 

ZEIT ONLINE: Nur was für Experten?

Hyppönen: Bei SQL-Injections handelt es sich um eine recht einfache Technik, die keine außergewöhnlichen Hacking-Kenntnisse erfordert.

ZEIT ONLINE: Schaden Anonymous dem Ansehen der digitalen Welt, wenn man das Gefühl hat, dass überall und jederzeit eingebrochen werden kann?

Hyppönen: Das ist einer der Punkte, die ich auf der diesjährigen TEDGlobal-Konferenz in Edinburgh angesprochen habe. Dort habe ich zu mehr internationaler Kooperation aufgerufen – und zur Schaffung einer weltweit agierenden Strafverfolgungsbehörde, einer Internetpol .