Path Intelligence und die Mall-Betreiber können das zwar wahrscheinlich nicht. Beide versichern auch, sie seien an der Identität der Menschen gar nicht interessiert, was durchaus vorstellbar ist. Trotzdem sind solche Datenbanken ein Risiko, ziehen sie doch Hacker, Kriminelle und Strafermittler geradezu magisch an. Gleichzeitig kann auch problemlos ein Gesicht mit einem Handystandort verknüpft werden. In solchen Shoppingcentern ist eine Videoüberwachung schließlich allgegenwärtig.

Unabhängig davon dürften die Daten viel über das Verhalten der Kunden verraten: welche Geschäfte beliebt sind, welche Orte so oft frequentiert werden, dass Werbung dort besonders sinnvoll ist, welche Ecken nur kurz angesteuert werden, in welcher Kombination verschiedene Läden besucht werden, zu welcher Uhrzeit. Problemlos lassen sich so Profile erstellen.

Damit sind interessante Anwendungen denkbar, denn die Computer können wahrscheinlich jeden Kunden nach wenigen Minuten Beobachtung einem bestimmten Profil zuordnen. Path Intelligence wirbt damit, dass der "Besuchertyp" identifiziert werden könne, ob also jemand ein "Einkäufer", ein "Angestellter", "Hindurchläufer" oder ein "Muße-Suchender" sei.

Denkbar wäre, diese Profile für gezieltes Marketing zu nutzen und den Menschen entsprechende Botschaften auf ihre Handys zu schicken. So praktisch das sicher viele fänden, mit dieser Technik ist auch eine Beeinflussung des Kaufverhaltens vorstellbar. Jene beispielsweise, die als schlechte Kunden identifiziert werden, bekämen dann eben keine Sonderangebote präsentiert und nicht die Chance, irgendwo einen Rabatt zu erhalten – da das Kalkül lauten könnte, dass sie sowieso nie wiederkommen.

Denn auch das registrieren die Scanner. Immerhin wirbt der Anbieter auf seiner Website damit, dass unter anderem die " frequency of visits " gemessen werden könne, die Häufigkeit also, in der ein Kunde wiederkommt. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Identifizierungsnummer der SIM-Karte gespeichert wird.

Schon das ohne Anlass vollständige Erfassen der IMSI in einem Gebiet gilt deutschen Datenschützern als Eingriff in die Grundrechte . Die Speicherung über einen unbekannten Zeitraum zu einem letztlich unbekannten künftigen Zweck macht das Problem noch schlimmer. Und auch in den USA regt sich leiser Widerstand. Das Wirtschaftsmagazin Forbes immerhin kommentiert, das Ganze "rieche irgendwie illegal" .

Möglicherweise befassen sich ja demnächst auch hierzulande Datenschützer mit dem Verfahren. Denn die USA sind dieses Mal nicht der Vorreiter bei einer neuen Überwachungstechnologie. CNN berichtet , die Scanner der britischen Firma seien bereits in Einkaufszentren in Europa und Australien eingesetzt worden.

Den Kunden bleibt solange nur die Hoffnung, dass sie das kleine Hinweisschild am Eingang bemerken und ihr Handy rechtzeitig ausschalten.