Nach Bekanntwerden der massenhaften Auswertung privater Telefondaten durch die Polizei haben Juristen und die Grünen diese Praxis am Wochenende kritisiert. Datenschutzexperten gehen davon aus, dass die bekannt gewordenen Fälle von erfassten Handydaten nur die Spitze des Eisberges sind.

Dies sei schon deshalb zu befürchten, weil es seit 2009 jedes Jahr mehrere hundert brennender Autos in Berlin gegeben hat. Nach Bränden in Friedrichshain waren umfangreich Handydaten eines Kiezes ausgewertet worden. Bei der Jagd nach Autobrandstiftern sind stadtweit so möglicherweise mehrere Millionen Handyverbindungen gesichtet worden.

Sönke Hilbrans, Vize-Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, bezweifelt, dass die massenhafte Auswertung von Funkzellen, bei der oft tausende Handynummern erfasst werden , vom Gesetzgeber als Standard-Fahndungsmittel gedacht war. Justizpolitiker streiten über die Legitimität der Methode. Innensenator Frank Henkel ( CDU ) hatte die flächendeckende Auswertung verteidigt, ein Richter hatte den Einsatz genehmigt.

In Justizkreisen, auch von Beamten an Berliner Gerichten, war zu hören, dass der öffentliche Druck während der Autobrände in den vergangenen Jahren besonders hoch war. Richter würden unter solchen Bedingungen sicher eher "drastischen Fahndungsmaßnahmen" zustimmen.

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Hilbrans, der als Strafverteidiger zahlreiche Verfahren gegen Verdächtige aus verschiedenen Spektren betreut hat, sagte: "Dass heimliche Überwachungsmaßnahmen einmal nicht vom Ermittlungsrichter genehmigt werden, ist die absolute Ausnahme." Aus fachlicher Sicht gebe es praktische Einwände gegen die Fahndungsmethode. "Die Erfolgsaussichten einer Handydatenauswertung sind äußerst bescheiden." Tatsächlich hatte die Erfassung von Telefonen im Umkreis von Bränden die Polizei kaum weitergebracht.