Ihr Vorschlag ist dabei vor allem ein Protest gegen das "Postengeschacher". "Der Grünen Landtagsfraktion war es wichtig zu zeigen, dass es beim Amt des Landesdatenschutzbeauftragten um einen unabhängigen zukunftsweisenden Posten statt um Parteiklüngel und Proporzdenken geht", sagt Malte Spitz. Er ist im Bundesvorstand der Grünen und hat bei der Suche nach einem Kandidaten geholfen.

Mit Constanze Kurz war bald eine Kandidatin gefunden, die für technische Kompetenz und für Unabhängigkeit steht. Kurz ist Informatikerin, sie leitet an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft ein Forschungsprojekt, sitzt als Sachverständige in der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestages und hat das Bundesverfassungsgericht zum Thema Vorratsdatenspeicherung beraten. Vor allem aber ist sie eine der Sprecherinnen des Chaos Computer Clubs. Mehr Kompetenz und Unabhängigkeit lässt sich wahrscheinlich kaum wünschen.

Ihr selbst war klar, dass sie nicht gewählt werden würde. Sie ließ sich trotzdem aufstellen, denn auch Kurz wollte etwas zeigen: "Bisher sind bei Datenschützern vor allem das rechtliche und das technische Wissen ausgeprägt", sagt sie. Doch sei es wichtig, dass diese Behörden sich auch um Technikfolgenabschätzung kümmerten und auch die sozialen Veränderungen durch Technik berücksichtigten.

Und so nutzte Kurz die Möglichkeit, den Landtagsfraktionen, die ihr zuhörten, ein etwas anderes Datenschutz-Konzept vorzustellen. "Ich würde ein neues Referat für soziale Technikfolgen einrichten", sagt sie. Auch die Betroffenen würde sie stärker in den Fokus rücken. "Es gibt heute viel mehr Anfragen von Bürgern an die Datenschützer", so Kurz. Das sollte in der Struktur der Behörden berücksichtigt werden. Die müssten selbstverständlich noch viel unabhängiger werden und mehr Mittel bekommen, sagt Kurz, die sich vor allem als Anwältin des Datenschutzes betrachtet.

Das sind durchweg gute Ideen, die Thüringer Politik hatte allerdings kein allzu großes Interesse an ihnen. Lediglich die Fraktionen der Grünen und der Linkspartei baten Kurz zum traditionellen Vorstellungsgespräch. SPD und CDU sprachen keine Einladung aus. Beide hatten sich längst auf einen Nachfolger geeinigt, auf Lutz Hasse, einen Juristen und Ministerialbeamten mit Erfahrung in Politik und Verwaltung.

Immerhin fand die Wahl geheim statt, niemand konnte also sehen, wer sich nicht an die Fraktionsdisziplin hielt. Und so kam Kurz denn auch auf beachtliche 34 der 82 gültigen Stimmen. Ihr Gegenkandidat erhielt 45, die schwarz-rote Koalition hat aber 49 Angeordnete. Angesichts des Verlaufs der Debatte kann das schon als kleiner Sieg für mehr Unabhängigkeit gelten.