Datensammlungen sind wie Marmeladengläser, sie locken Fliegen an. Da inzwischen sehr viele Menschen ein solches Marmeladenglas in ihrer Hosentasche haben – in Form eines Smartphones voller persönlicher Daten –, ist es kein Wunder, dass sich auch die Polizei für den Inhalt interessiert. Beispielsweise im Vereinigten Königreich. Britische Behörden haben gerade begonnen, in großem Stil sogenannte Cellphone-Dumper zu kaufen, um die auf Mobiltelefonen gespeicherten Daten auslesen zu können.

Die Londoner Polizei kann damit künftig innerhalb von circa 20 Minuten Mobiltelefone von Verdächtigen durchsuchen und darauf vorhandene Daten wie Anruflisten, Bilder, Videos, SMS, E-Mails sowie Informationen aus sozialen Netzwerken extrahieren. Auch bereits gelöschte Informationen lassen sich damit wiederherstellen. Möglich ist das dank eines Systems namens Aceso Kiosk des Herstellers Radio Tactics .

Der britische Anbieter der Forensik-Geräte warb Ende April damit , dass in allen 16 Stadtteilen Londons Polizeistationen entsprechend ausgestattet würden. Außerdem sollen demnach  300 Beamte der Metropolitan Police im Umgang mit der Technik geschult werden.

Bereits im Februar hatte die britische Militärpolizei einen Vertrag mit Radio Tactics unterzeichnet . Sie wird eine mobile Variante der Durchsuchungsgeräte namens Aceso Field erhalten und ihre Soldaten damit ausrüsten.

Was aus Sicht der Polizei wie eine sinnvolle Maßnahme wirkt, besorgt Bürgerrechtler. Denn private Daten auf einem Telefon dürfen nicht einfach so durchsucht und kopiert werden, auch nicht in Großbritannien . Schließlich kommt das einer – im schlimmsten Fall sogar heimlichen – Durchsuchung der Privatsphäre gleich. Ein Vorgang, für die Polizei in den meisten Demokratien einen richterlichen Beschluss braucht. In Deutschland beispielsweise hat das Bundesverfassungsgericht für die heimliche Durchsuchung von Computern besonders hohe rechtliche Hürden gefordert . Handys dürfen hierzulande in einem Ermittlungsverfahren beschlagnahmt und untersucht werden, aber eben nicht allein auf den Verdacht der Polizisten hin.

Handydurchsuchung bei der Verkehrskontrolle

Die britische Polizei geht jedoch offensichtlich eher pragmatisch vor. In der Pressemitteilung wird Stephen Kavanagh, Deputy Assistant Commissioner der Metropolitan Police, mit den Worten zitiert: "Mobiltelefone und andere Geräte werden zunehmend bei allen möglichen kriminellen Aktivitäten genutzt. Wenn ein Verdächtiger festgenommen wird, und wir bei ihm ein Mobiltelefon finden, von dem wir glauben, dass es bei einem Verbrechen benutzt wurde, haben wir es bisher in eines unserer Forensiklabors geschickt." Dank des neuen Systems jedoch hätten Beamte "sofortigen Zugang" zu den Informationen und könnten sie für Ermittlungen nutzen.

Das bedeutet unter Umständen, dass künftig nahezu jedes Mobiltelefon auf diese Art untersucht wird. Das ist nicht nur für politische Aktivisten eine Horrorvorstellung, die auf einer Demo vorübergehend festgehalten werden. Die BBC berichtet außerdem, dass die Metropolitan Police die abgesaugten Daten womöglich anschließend speichert , selbst wenn der Verdächtige wieder freigelassen wird.