Das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) will angesichts der öffentlichen Aufmerksamkeit dann doch nicht für die Schufa arbeiten. Der entsprechende Vertrag , der drei Jahre laufen sollte und für den die Schufa 200.000 Euro pro Jahr zahlen wollte, wurde am Freitag vom Institut gekündigt.

In der knappen Mitteilung dazu heißt es : "Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden." Eine "Forschungsrelevanz" sehe das Institut nach wie vor, sagte HPI-Sprecher Hans-Joachim Allgaier. Im derzeitigen Klima allerdings keine Chance, ein solches Projekt erfolgreich durchzuführen.

Ähnlich äußerte sich später auch die Schufa. "Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit auf sachlicher Ebene" könne nicht weiter geführt werden, erklärte die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung. "Das Forschungsprojekt hat eine Debatte über den Umgang mit frei verfügbaren Daten angestoßen, die die Schufa erst mit Vorlage der Forschungsergebnisse erwartet hätte."

Das vereinbarte Ziel war es, zu prüfen, ob es im Netz Daten gibt, die der Schufa helfen können, die Bonität von Schuldnern zu beurteilen. Allgaier betonte, dass es sich bei den bekannt gewordenen Themen der Kooperation um eine "Ideenskizze" gehandelt habe, nicht um ein fertiges Forschungsprojekt.

Grundsätzlich ist es nicht illegal , öffentlich zugängliche Daten zu durchsuchen solange gewisse Grenzen eingehalten werden. Allerdings machte der Plan offensichtlich einigen Menschen Angst. Einzelne Aspekte des Projektes hatten für heftige Reaktionen nicht zuletzt in eben jenem sozialen Netz gesorgt , das untersucht werden sollte. "Freunde und Status geben keine Auskunft über die Bonität eines Verbrauchers", wies der zuständige Schufa-Vorstand Peter Villa die Kritik am den Vorhaben zurück. Deshalb fänden solche Daten auch keine Verwendung im Datenbestand der Auskunftei.

Neben Politikern hatte auch der Verbraucherbeirat der Schufa das Forschungsprojekt kritisiert.

Der Verbraucherbeirat hatte den Vorstand gebeten, so schnell wie möglich eine gemeinsame Sitzung anzusetzen. Beiratsmitglied Uli Röhm sagte am Freitag, er könne nicht verstehen, wie man "bei der derzeitigen Diskussion über Soziale Netzwerke anfängt, so blauäugig zu forschen". Er befürchtete vor allem einen Imageschaden. "Bisher war die Schufa auf einem guten Weg, um von dem Bild der Datenkrake wegzukommen", sagte der Fernsehjournalist Röhm. "Diese Fortschritte für das Image der Schufa sind jetzt gefährdet."