Skype-Manager Mark Gillett dementiert  im Unternehmensblog die Überwachungsgerüchte. Zwar kooperiere Skype seit 2005 mit den Polizeibehörden , soweit es gesetzlich dazu verpflichtet und technisch dazu in der Lage sei. So gebe das Unternehmen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften die wenigen Daten heraus, die auf seinen Servern anfallen. Die Supernodes   seien eingerichtet worden, um Skype ausfallsicherer zu machen, und nicht, um den Behörden eine Überwachung zu erleichtern.

Eine mögliche Speicherung von Gesprächsinhalten wird allerdings in den Nutzungsbedingungen von Skype erwähnt. Dort steht, Skype könne Instant-Messenger-Nachrichten für maximal 30 Tage vorhalten, Voicemail-Nachrichten bis zu 60 Tage, Videomail-Nachrichten sogar bis zu 90 Tage, damit ein Nutzer sie auch später abrufen könne. Wer zum Beispiel eine Botschaft auf dem Anrufbeantworter eines Skype-Nutzers hinterlässt, der gerade offline ist, speichert sie auf den Servern von Skype. Diese Daten würde Skype herausgeben, wenn es durch einen Gerichtsbeschluss dazu aufgefordert werden würde.

Knackpunkt Verschlüsselung

Schließlich gibt auch die Verschlüsselung, die Skype nutzt, vor allem Hackern Anlass zu Spekulationen. Skype selbst sagt, es verwende den Verschlüsselungsstandard AES-256 , und der gilt als sicher. Aber Skype ist ein proprietäres Programm – wie es genau funktioniert, ist Geschäftsgeheimnis. Ob im Programm eine Abhörschnittstelle versteckt ist, mit der die Verschlüsselung einfach umgangen werden kann, lässt sich nicht wirklich ausschließen. Unter Sicherheitsexperten gilt die Regel, dass nur eine offengelegte Technologie als sicher eingestuft werden kann.

In den vergangenen Jahren haben Hacker einige Details zur Verschlüsselung geklärt und dabei auch deren absolute Sicherheit zumindest in der Theorie infrage gestellt. Skype-Gespräche im Netz abzufangen und zuverlässig zu entschlüsseln, ist jedoch bisher niemandem gelungen. Zumindest niemandem, der damit an die Öffentlichkeit gegangen wäre.

Dass die Polizeibehörden Gespräche im Skype-Netz nicht abhören konnten, ist gut dokumentiert. Weil beispielsweise die deutsche Polizei dazu nicht in der Lage ist, sah sie sich gezwungen, für viel Geld Trojaner-Programme anzuschaffen , die auf den Rechnern von Verdächtigen und deren Kommunikationspartnern installiert wurden.

Die Installation eines solchen Spionageprogramms funktioniert ungefähr so, wie wenn ein Polizist eine Wanze in einem Telefonhörer installiert. Die Verschlüsselung von Skype wird also umgangen, indem die Polizei dann mithört, wenn die Kommunikation noch nicht verschlüsselt oder beim Empfänger wieder entschlüsselt wurde.

Automatisierter Zugriff auf normale Telefonate

Bei normalen Telefongesprächen müssen sich die Strafverfolger und Geheimdienste diese Mühe schon lange nicht mehr machen: Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen sind verpflichtet, Abhörschnittstellen zu unterhalten, mit denen Ermittler nach Gerichtsbeschluss einfach auf die Kommunikation der Kunden zugreifen können. In Deutschland funktioniert das voll automatisiert: Die Ermittler müssen sich nach Freischaltung nur in die sogenannten Sina-Boxen einloggen und bekommen fortan jede Mail und jeden Anruf sofort elektronisch zugestellt.

Bei Gesprächen zwischen Skype-Nutzern ist das nicht möglich. Selbst wenn die Strafverfolger den gesamten Datenverkehr eines Kunden bei dessen Provider mitschneiden, können sie damit wenig anfangen, weil die Gesprächsinhalte dann ja noch verschlüsselt sind.