Anders ist das, wenn Skype Gespräche ins normale Telefonnetz durchstellt. Hier muss das Unternehmen auf die Infrastruktur herkömmlicher Telefonie zugreifen, wo die staatlichen Abhörschnittstellen Standard sind. Wer also über die Funktion Skype-Out ein Telefon anruft, muss auf den Schutz durch Verschlüsselung verzichten. Ähnliches gilt wohl auch für die Einbindung des Facebook-Chats in Skype: Um Daten vom und an das soziale Netzwerk weiterzuleiten, muss Skype die Teilnehmer über zentrale Server verbinden und ihre Nachrichten entschlüsseln. Es ist möglich, dass sich die anonymen Aussagen in der Washington Post über abgespeicherte Chatnachrichten alleine auf diesen Spezialfall beziehen.

Letztlich ist es Vertrauenssache, ob Nutzer Skype für geheime Gespräche einsetzen – von außen ist es fast unmöglich, alles zu erkennen, was technisch in dem Programm abläuft. Dissidenten oder Journalisten, die um Leib und Leben fürchten müssen, sollten den Dienst deshalb besser nicht mehr benutzen.

In den demokratischeren Regionen dieser Welt dürfte es nicht unbemerkt bleiben, wenn Skype damit beginnen sollte, Gesprächsprotokolle routinemäßig an Polizeibehörden weiterzugeben. Denn die würden die Protokolle als Beweismittel verwenden, und das würde das so viele Gerichtsakten füllen, dass die Öffentlichkeit sehr schnell davon erfahren dürfte.

Selbstverständlich gibt es auch Alternativen zu Skype: Für Text-Chats empfiehlt sich die sogenannte Off-the-record-Verschlüsselung (OTR), die von verschiedenen kostenlosen Instant-Messaging-Programmen wie Psi , Miranda IM und Adium unterstützt wird. Bei OTR handelt es sich um eine End-zu-End-Verschlüsselung, die mit verschiedenen Chat-Protokollen kombinierbar ist. Selbst wenn die Nachrichten dabei zentral gespeichert werden, können sie nur von den Teilnehmern des Gesprächs entschlüsselt werden. Für Online-Telefonie und Videokonferenzen empfiehlt der bekannte US-Hacker Jacob Appelbaum das Projekt Jitsi , das auch für Sprach- und Videotelefonie geprüfte Verschlüsselungsmethoden anbietet.