Deutsche Verbraucherschützer wollen Facebook zu Änderungen bei seinem App-Zentrum zwingen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) schickte dem Unternehmen eine entsprechende Abmahnung mit einer Frist bis zum 4. September. Facebook gebe persönliche Daten der Nutzer an App-Anbieter weiter, ohne dass die Nutzer ihre Einwilligung dazu gegeben hätten, bemängeln die Verbraucherschützer. Es liege ein Verstoß gegen das Telemediengesetz vor; das Unternehmen soll innerhalb von einer Woche eine Unterlassungserklärung abgeben.

Bei Facebook können die Nutzer zum Beispiel Spiele und Programme für Musik oder Nachrichten herunterladen, die von Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden. Die Nutzer erhielten jedoch seit Einführung des App-Zentrums keinen vollständigen Hinweis, wozu die weitergegebenen Daten verwendet würden, kritisierte die VZBV. Ebenso wenig werde sichergestellt, dass der Nutzer in die Weitergabe und Nutzung der Daten einwillige. Durch den Klick auf den Button "Spiel spielen" oder "An Handy schicken" werde die Einwilligung einfach unterstellt.

Nur in kleiner, hellgrauer Schrift werde "eine augenscheinlich nicht abschließende Auflistung der Nutzungszwecke durch den App-Anbieter" angezeigt. Dazu gehöre das Recht, auf Chats, die Informationen von Freunden und persönliche Kontaktdaten zuzugreifen sowie auf die Pinnwand des Nutzers zu schreiben. In dieser umfassenden Datenweitergabe an Dritte sehen die Verbraucherschützer einen Verstoß gegen das Telemediengesetz. Facebook müsse das App-Zentrum so gestalten, "dass der Nutzer weiß, dass er seine Daten freigibt und wofür diese verwendet werden".

36 Schritte zur Sicherung der Privatsphäre

Bei einer Tagung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein in Kiel kritisierte Klaus Müller vom Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mangelhafte Nutzerrechte bei Facebook. Um die Privatsphäre des eigenen Facebook-Profils zu sichern, seien 36 Schritte erforderlich.

Der Facebook-Manager Gunnar Bender sprach sich bei der Tagung dafür aus, "dass Chancen und Risiken von Social Media in einer konstruktiven Debatte ausgewogen beleuchtet werden, um selbstbestimmt und kompetent über die eigene Nutzung entscheiden zu können". Facebook unterstütze deswegen Initiativen zur Förderung von Medienkompetenz.

Im März 2012 hatten die Verbraucherschützer im Datenschutzstreit einen juristischen Sieg über Facebook errungen, als das Landgericht Berlin den Freundefinder von Facebook für unzulässig erklärte . Die Anwendung zur Suche von Bekannten und Kollegen sowie die Geschäftsbedingungen von Facebook verstießen gegen Verbraucherrechte, entschied das Gericht.