Vor allem kritisiert die EFF, dass die Datenbank es möglich machen soll, gleichzeitig in zivilen Daten und in denen von Kriminalfällen zu suchen. Bislang waren das getrennte Datenbanken, nun aber sollen sie zusammengeführt werden. Es sei nicht klar, wie das FBI dabei sicherstellen wolle, dass die Abfragen von nichtverdächtigen Menschen durch Abfragen nach Verdächtigen "verunreinigt" werden, wie es in der Klageschrift heißt. Auch habe das FBI nicht erläutert, warum es überhaupt nötig sei, beide Datensätze zu vereinen.

Es gibt noch ein Problem mit der Methode: Gesichtserkennung ist nicht unbedingt fehlerfrei oder wenigstens fehlerarm. Kameras und Analyseprogramme irren noch relativ häufig bei der Zuordnung, vor allem wenn Lichtverhältnisse und Blickwinkel variieren. Auch das Geschlecht, die Hautfarbe und das Alter beeinflussen, wie gut das Verfahren jemanden wiedererkennt.

Das Bundeskriminalamt kam bei einem Feldtest 2007 zu eher trüben Ergebnissen. Zwar wurden die Systeme seitdem verbessert, aber so eindeutig wie Fingerabdrücke sind sie noch lange nicht – falsche Identifizierungen könnten die Folge für Betroffene sein. Eine unangenehme Folge, heißt es doch im Zweifel, dass ein Unschuldiger für einen Kriminellen gehalten und entsprechend behandelt wird. 

Auch Deutsche wären betroffen

Das System betrifft nicht nur die USA. Das FBI teilt die Daten nach Informationen der EFF mit mindestens 77 Ländern und plant demnach auch, diese Kooperationen zu erweitern. So sollen die Länder, die zum sogenannten Visa Waiver Programm gehören, Zugang zu der biometrischen Datenbank erhalten. Das sind jene, die einen biometrischen Pass ausgeben und noch einige andere Kriterien erfüllen, ihre Bürger können ohne Visum in die USA einreisen. Deutschland gehört zu diesem Programm und damit würden auch die Fotos deutscher Staatsbürger in NGI landen, wenn sie die USA besuchen.

Zu jedem dieser Punkte hat die EFF Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestellt, die bislang nicht oder nur unvollständig beantwortet wurden. "Bevor die Regierung ihre Überwachungsfähigkeiten ausbaut, muss es eine öffentliche Debatte darüber geben", schreibt Lynch. "Aber wenn keine Details über das Programm bekannt sind, kann die Öffentlichkeit auch nicht entscheiden, ob sie damit einverstanden ist."