Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat sich entsetzt über Großbritanniens Abhörprogramm gezeigt. Sie forderte eine rasche Auskunft über das Programm Tempora, über das der britische Guardian am gestrigen Freitag berichtet hatte: "Die Vorwürfe gegen Großbritannien klingen nach einem Alptraum à la Hollywood", schrieb sie auf Twitter. "Die Aufklärung gehört sofort in die europäischen Institutionen." Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre das eine Katastrophe.

Dem Guardian zufolge hat der britische Geheimdienst GCHQ die Telefon- und Internetkommunikation von Millionen Nutzern ausgespäht. Die britische Behörde habe sich im Rahmen des Projekts Tempora einen geheimen Zugang zu Glasfaserkabeln verschafft und eine umfassende Datensammlung angelegt, berichtete die Tageszeitung unter Berufung auf Dokumente des US-Computerexperten Edward Snowden.

Snowden hatte auch das amerikanische Spähprogramm Prism enthüllt, mit dem Nutzerdaten der großen Internetkonzerne wie Google, Facebook und Microsoft ausgewertet werden. Snowden, der sich derzeit in Hongkong versteckt, wurde in seiner Heimat offiziell der Spionage beschuldigt. Die US-Regierung stellte Strafanzeige und will seine Auslieferung erreichen.

Der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) arbeitet seit Jahrzehnten mit der amerikanischen National Security Agency (NSA) eng zusammen. Beide Behörden kooperieren zudem mit Geheimdiensten in den Kanada, Australien und Neuseeland. Die Enthüllung erhöht den Druck auf die britische Regierung, zu erklären, wie sie Daten sammelt und nutzt. Ein Sprecher des GCHQ lehnte einen Kommentar ab.