Unter deutschen Politikern ist die Empörung über die Spionage-Aktivitäten der USA nach einer gewissen Anlaufzeit einigermaßen groß. Frankreich dagegen hat sich bisher verhalten gezeigt, die französische Regierung hält sich bedeckt. Der Grund hierfür ist laut der Zeitung Le Monde ganz einfach: Die Regierung von François Hollande wisse längst Bescheid – und bediene sich ähnlicher Methoden wie die Vereinigten Staaten von Amerika.

Demnach sammelt der französische Auslandsnachrichtendienst DGSE (Direction générale de la sécurité extérieure) systematisch elektromagnetische Signale, die von Computern und Telefonen in Frankreich ausgesendet werden. Das betreffe auch den Datenstrom zwischen Franzosen und Adressaten im Ausland. Le Monde fasst es zusammen: "Unsere gesamte Kommunikation wird ausspioniert." Mails, SMS, Aufstellung über Telefonanrufe, Zugriffsdaten von Facebook, Twitter, Google, Apple, Microsoft – alle Daten werden laut dem Bericht für Jahre gespeichert.

Gerechtfertigt wird die Datenspeicherung – wie so oft – mit dem Kampf gegen den Terrorismus. Aber die Sammlung könne auch dazu benutzt werden, die Bevölkerung auszuspionieren, so das Blatt.

Denn nicht nur der Auslandsdienst könne auf die Daten zugreifen. Auch andere Behörden und Unternehmen haben, so schreibt es Le Monde, Zugriff auf den immensen Datensatz. Darunter der Inlandsgeheimdienst DCRI (Direction centrale du renseignement intérieur) und die Zollbehörden des französischen Finanzministeriums. Selbst die französische Polizei kann demnach unter besonderen Umständen auf die Daten zugreifen. 

Somit ist die Speicherung nach Einschätzung von Le Monde verfassungswidrig. Denn das französische Gesetz sieht keine Datensammlung dieses Umfangs vor. Die französische Regierung aber verneint deren Existenz: Eine solche Infrastruktur der kollektiven Datennutzung gebe es nicht.