Unbekannte haben vor einiger Zeit eine nicht ganz unwichtige Datei aus dem Netz von Adobe kopiert. Wie vergangene Woche bekannt wurde, ist sie 3,8 Gigabyte groß und enthält die Nutzernummern und die verschlüsselten Passwörter von mindestens 38 Millionen aktiven Kunden des Unternehmens. Das zumindest ist die Zahl, die Adobe eingesteht. Sicherheitsanalysten schreiben, es seien sogar mehr als 150 Millionen Nutzerdatensätze darin enthalten.

Die Passwörter selbst sind nicht lesbar, da sie in der Datei symmetrisch verschlüsselt gespeichert sind. Doch hat nun der Sicherheitsberater Jeremi Gosney mit ein wenig Deduktion und mithilfe des Adobe-Systems für vergessene Passworte einen Teil davon entschlüsselt.

Was er dabei entdeckte, ist nicht neu, aber immer wieder erschreckend: Die meisten Menschen wählen trotz aller Warnungen Passwörter, die eigentlich keine sind.

Adobe fragte seine Kunden nach einem Passwort, und 1,9 Millionen Menschen gaben als Schlüssel für ihren Account den Ausdruck "123456" ein. Fast 450.000 Menschen war das zu unsicher, sie wählten lieber "123456789", und immerhin noch 345.000 schrieben "password" in das Feld. Sehr beliebt waren demnach auch Tastenabfolgen der Tastatur wie "qwerty" oder Sätze wie "iloveyou".

Gosney hat eine Liste mit den 100 am meisten verwendeten Adobe-Passwörtern aus der gehackten Datei extrahiert. Der größte Teil davon ist so simpel aufgebaut wie die fünf Beispiele. Mehr als fünf Millionen Nutzer verlassen sich demnach darauf, dass niemand ihre Sicherheitsbegriffe wie "666666" oder "computer" errät.

Wirklich nur Wegwerfpassworte?

Ähnliche Hacks bestätigen das Ergebnis. Sony kamen vor zwei Jahren viele Nutzerdaten abhanden. Hier eine Analyse der von Sonykunden verwendeten Passwörter, die zeigt, wie viele simple Strukturen nutzen.

Jürgen Schmidt, Chefredakteur von heise Security, schreibt, das sei eigentlich kein Problem. "123456" sei völlig ok und nicht "zwangsläufig ein schlechtes Passwort und sein Benutzer kein grenzdebiler Idiot. Es ist ein Wegwerf-Passwort und ich habe selbst eine ganze Reihe von Konten mit ähnlichen Passwörtern. Aus dem einfachen Grund: Der Account ist mir kein richtiges Passwort wert."

Das setzt voraus, dass so leicht zu erratende Kombinationen wirklich nur für unwichtige Accounts genutzt werden und dass die meisten Menschen wichtige Dinge wie ihre Mails mit einem längeren und komplexeren Schlüssel abschließen. Eine schöne Hoffnung, die sich nicht unbedingt bestätigen lässt.

Nahezu bei jedem Hack, bei dem anschließend die Passworte bekannt wurden, stand der Ausdruck "123456" in der Beliebtheit an erster Stelle. Beispielsweise bei RockYou, einem Fotodienst, der 2009 aufgebrochen wurde. Immerhin ging es bei diesen Accounts um private Fotos. 

Vor einiger Zeit versuchten Spammer, die Konten von Nutzern des E-Maildienstes GMX zu kapern – indem sie die Passworte errieten. In vielen Fällen gelang es ihnen.

Neue Sicherheitskonzepte

Der Kryptologe Bruce Schneier analysierte 2006 Daten eines MySpace-Hacks. Das beliebteste Passwort damals war "password1". Was er mit den Worten kommentierte: "We used to quip that 'password' is the most common password. Now it's 'password1'. Who said users haven't learned anything about security?" – "Wir haben immer gewitzelt, 'Passwort' sei das beliebteste Passwort. Jetzt ist es 'Passwort1'. Wer sagt, dass Nutzer nicht lernfähig sind?"

Der Mathematiker Joseph Bonneau von der Universität Cambridge zeigte in einer Studie, dass Angreifer ungefähr ein Prozent aller Accounts öffnen können, wenn sie pro Account zehnmal raten. Ein Prozent aller Konten mag wenig klingen, aber es gibt genügend Software, die das Passwort-Raten automatisiert und damit die Erfolgschance erhöht.

Passwörter sind lästig und komplexe Passwörter schwer zu merken. Noch dazu, wenn man für jeden Dienst ein anderes wählt, wie ebenfalls dringend empfohlen wird. Schmidt schreibt daher: "Passwörter sind kostbar. Und wenn wir aus dem Passwort-Dilemma raus wollen, müssen sich Adobe & Co bessere Konzepte einfallen lassen, wie wir uns im Internet ausweisen. Und zwar solche, bei denen wir bestimmen, wer wann Zugriff auf welche Daten hat – und wer die für uns verwalten darf. OAuth und OpenID sind da bestenfalls ein Anfang."

Übrigens: Fingerabdruckscanner sind ebenfalls eine schlechte Idee, um etwas abzuschließen.