Michael Andregg ist Autor und Wissenschaftler an der Universität von St. Thomas in St. Paul, Minnesota. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Themen Krieg, Geheimdienstarbeit und Geheimdienstethik.

"Alle Geheimdienstler wissen seit Jahrzehnten, dass sich sogar Freunde gegenseitig ausspionieren. Die britischen Geheimdienste MI6 und GCHQ, die französischen Dienste DGSC und ANSSI oder auch der deutsche BND sind kein bisschen unschuldiger als es der sowjetische KGB war und sein umbenannter, aber kaum reformierter Nachfolger FSB ist. Alle diese Dienste sind überrannt worden von einer galoppierenden Technik, die selbst die wildesten Träume von George Orwell, der Stasi oder der rumänischen Securitate hat wahr werden lassen.

Der größte Unterschied zu den USA ist: Deutschland und Rumänien erinnern sich noch daran, dass es schreckliche Konsequenzen hat, wenn sich Geheimdienste gegen das eigene Volk richten. Die NSA dagegen glaubt immer noch, ein Gottesgeschenk an die Menschheit zu sein.

Wenn die Deutschen wissen wollen, ob der deutsche Geheimdienst seinerseits andere Staatsoberhäupter ausspioniert, sollten sie den BND-Präsidenten Gerhard Schindler fragen. Aber man sollte nicht vergessen, ihn vorher an einen Lügendetektor anzuschließen. Spione lügen so beiläufig, wie andere Menschen atmen.

Es wäre zumindest normal, wenn der BND versuchen würde, andere Regierungschefs zu überwachen. Aber er hat nicht die technischen Fähigkeiten und die globale Reichweite der US-Amerikaner und der Five-Eyes-Partner Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland.

Geheimdienste haben einen unendlichen Appetit nach Informationen. Und man wäre kein kompetenter Geheimdienstchef, verantwortlich für die Sicherheit der Kinder einer Nation, wenn man nicht immer alles wissen wollen würden.

Deshalb ist eine politische Aufsicht so essentiell, und deshalb ist es so tragisch, dass diese Aufsicht in den USA ein schlechter Witz ist. Um es ganz klar zu sagen: Sie ist schon seit mindestens einer Generation einer schlechter Witz, denn schon vor 24 Jahren haben mir ranghohe Vertreter der Dienste von solchen Zuständen berichtet."