Der US-Senator Chris Murphy will bei einem Besuch in Berlin versuchen, durch die NSA-Spähaffäre verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. "Meine größte Hoffnung ist, ein Stück des Wohlwollens wiederzugewinnen, das in den vergangenen Wochen verloren gegangen ist", sagte Murphy der Nachrichtenagentur AFP in Washington . Zugleich dämpfte der Vorsitzende des Unterausschusses für Europa im Senat zu hohe Erwartungen an seinen Besuch: "Ich werde nicht nach Brüssel oder Berlin kommen, um neue Abkommen zu verhandeln."

Murphy zeigte Verständnis für den Unmut in Deutschland und Europa über die Aktivitäten des US-Geheimdienstes NSA . Die Sorgen über den Verlust der Privatsphäre gebe es auch in den USA. "Wir haben in diesem Land eine Debatte über das Eindringen der US-Geheimdienste in das Leben von amerikanischen Bürgern", sagte der Senator. "Es ist angebracht, dass wir darüber sprechen, wie das auch die Europäer betrifft." Viele Volksvertreter im Kongress in Washington, insbesondere aus dem Lager der Republikaner, befürworten allerdings das Vorgehen der US-Geheimdienste.

Murphy will Vorstellungen über das Ausmaß der US-Spähprogramme entgegentreten. "Die schlimmsten Ängste der Leute, dass die USA täglich bei ihren Gespräche mithören, entsprechen nicht der Realität", sagte er. Einige Berichte europäischer Medien seien falsch gewesen. "Es ist der Eindruck entstanden, dass die Vereinigten Staaten europäische Bürger pauschal überwachen. Das ist einfach nicht wahr", sagte der Senator.

Murphy trifft am Montag in Berlin den amtierenden Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Außerdem will der Politiker der Demokratischen Partei von Präsident Barack Obama mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien zusammenkommen. Der Delegation aus dem US-Kongress gehört neben Murphy auch der demokratische Abgeordnete Gregory Meeks an. Der republikanische Kongressabgeordnete Mario Diaz-Balart stößt einen Tag später in Brüssel dazu, wo Gespräche mit Vertretern des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission geplant sind.

Murphy dementierte einen Bericht von Spiegel Online , dass ihm ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck verwehrt worden sei. Die Reise sei vor allem als "Austausch zwischen Parlamenten" gedacht. Laut Spiegel Online soll es im Bundeskanzleramt aber ein Gespräch mit dem Abteilungsleiter für Außenpolitik, Christoph Heusgen, geben. Möglich sei auch eine Begegnung mit Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).