Eine wichtige Unterstützerin von Edward Snowden ist am Wochenende nach Deutschland gereist. WikiLeaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison hat ihre Ankunft selbst auf der Website der Enthüllungsplattform bekannt gegeben. Sie hatte die vergangenen Monate an der Seite Snowdens in dessen russischem Asyl verbracht und war auch bei dem Treffen mit dem Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele dabei.

Harrison schrieb nichts zu ihren weiteren Plänen. Allerdings weist sie darauf hin, dass ihre Anwälte ihr geraten hätten, nicht nach Großbritannien zurückzukehren. Dort sei sie nicht sicher. Die vorübergehende Festnahme des Lebensgefährten von US-Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald am Londoner Flughafen habe gezeigt, dass in Großbritannien ein Klima der "Verfolgung" herrsche. Greenwald hatte als erster auf Grundlage von Snowdens Unterlagen über die Spionagepraktiken des US-Geheimdiensts NSA berichtet.

Harrison zeigte sich in dem Schreiben erfreut darüber, dass in Deutschland zahlreiche Menschen für die Aufklärung der NSA-Affäre eintreten. Snowden sei derzeit in Russland sicher. Andere, die zu Enthüllungen beigetragen hätten, weniger. Sie erinnerte an Julian Assange und Chelsea Manning.

Bundesregierung prüft Befragung Snowdens

Die Bundesregierung will nun eine Befragung des NSA-Enthüllers in Moskau prüfen. Asyl für Snowden in Deutschland lehnt sie weiter ab. Die Entscheidung vom Sommer, dem Informanten kein Asyl oder Aufenthaltsrecht zu gewähren, werde aufrechterhalten, sagte der amtierende Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nach einer Sitzung des Bundestagsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter werde in den USA nicht politisch verfolgt. Nun müsse geklärt werden, unter welchen Bedingungen eine Anhörung Snowdens in der russischen Hauptstadt möglich sei.

Auch SPD-Innenexperte Thomas Oppermann sieht zunächst keine Chancen dafür, dass Snowden nach Deutschland kommt. "Eine Befragung in Deutschland steht im Augenblick nicht zur Debatte", sagte er. Dies sei nur denkbar im Wege einer "verhandelten Lösung" mit den USA. Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) meinte, der Erkenntnisgewinn einer Snowden-Befragung dürfte ohnehin gering sein. "Die entscheidenden Informationen haben wir."

Ganz anders sieht das der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele, der Snowden vergangene Woche in Moskau getroffen hatte. Selbstverständlich könne man Snowden aufnehmen. "Man muss es nur wirklich wollen." Deutschland sei Snowden zu Dank verpflichtet. "Sonst würde das Handy der Kanzlerin immer noch abgehört."

Snowdens Vater rät von Asyl in Deutschland ab

Der Vater Snowdens riet seinem Sohn ab, in Deutschland Zuflucht zu suchen. Er habe wenig Zutrauen zur Politik der Bundesregierung, sagte Lon Snowden in einem Interview des Magazins Stern. Die Regierung habe sich erst empört, als bekannt wurde, dass der US-Geheimdienst NSA das Telefon der Kanzlerin abhörte. "Ist deren Privatsphäre wichtiger als die aller anderen?", fragte er.